Nenn mich einfach Gott

Stiff la Wolf

ISBN: 978-3-928905-18-3
Seitenzahl: 183
Verarbeitung: Broschur
Preis: 2,50 EUR

Science Fiction Satire, Zeichnungen: Lars Groeger und Traute Reuss


Leseprobe
Am Morgen wurde der Herr vom Gesang der Vögel geweckt. In den Flüssen und Meeren schwammen Fische. Es gab Kriechtiere, Einzeller, Zweizeller, Dreizeller und so weiter. Säugetiere verschiedener Art, friedfertige und räuberische, listige und andere mit einer weniger hohen Lebenserwartung, Flußpferde, die so hießen, weil sie hauptsächlich in Flüssen lebten, Hängebauchschweine, die ihren Namen ihrem Bauch verdankten und auch Elefanten, die so hießen, weil sie sich zumeist mit anderen Elefanten herumtrieben. Jeder mußte zugeben, dass die Schöpfung ein rundes Ding geworden war, und der Allmächtige hätte zufrieden sein können, doch in den Augen des Herrn war die Schöpfung nicht mehr wert als ein Eimer mit Loch. Verärgert lutscht er nun an seinem Daumen, doch dieses kleine Mißgeschick, dieser dilettantische chirurgische Eingriff sollte ungeahnte Folgen haben. Der Trübsinn sollte ein Ende haben. In der Vergangenheit hatte der Herr sich viele unnütze Gedanken über seinen Zustand, seine permanente Unzufriedenheit gemacht, konnte aber weder einen Schlüssel noch einen Psychiater finden. Mit düsterer Miene hatte er seinen grauen Bart durchwühlt, in Gedanken versunken lange Wanderungen auf seinem Berg unternommen, ohne Erfolg. Am Abend saß er doch wieder vor seiner Hütte, rauchte sein Pfeifchen und erblindete langsam an der Seele...
...Er seufzte tief und traurig, und dann sagte er: "Ich bin allein!" Aller Weltschmerz lag in diesen drei Worten. Der Herr schaute auf, mit einem Blick, so leer wie Junkieköpfe am Silvesterabend. Dies war der kurze Moment, in dem der Groschen auf der Kante balancierte und dann fiel er.
"Ich bin allein!" wiederholte der Allmächtige mit der Betonung einer dämmernden Einleuchtung, und damit ergab sich eine logische Erbfolge von Gedanken an derern Ende die zwingende Schlußfolgerung stand, dass Gott der Allmächtige und Einzige seine Schöpfung mit seinem Ebenbild krönen muß. Gott war so geplättet von der Einfachheit dieser Lösung, dieser Erlösung von aufkommenden Magengeschwüren, Hautausschlägen und Brummschädeln, dass er fast vergaß, seinen Unterkiefer wieder hochzuklappen...
...Nein, wenn dieses Wesen endlich zum Leben erwacht, dann wird es so sein wie Gott, seine Interessen mit ihm teilen. Es wird sich wie Gott an der Kunst, an der Musik und an der Natur berauschen können. Wenn alles klappt, dann wird es in der Lage sein, die eigenen Gedanken reflektieren zu können. Und neben all den anderen wunderbaren Eigenschaften, die der Schöpfer seinem Meisterwerk bereits andichtete, wird es stets bereit sein sich mit dem Allmächtigen zu unterhalten. Der Allmächtige hatte, als er wieder die Hütte erreichte, die Krönung seiner Schöpfung bereits in Gedanken vollendet.


Rezension David Meiländer, SFRadio.de
Besser geht es kaum mehr.Selten habe ich ein Buch in den Händen gehalten, dass in dieser Form einen völlig neuen und eigenen Weg beschreitet und außerdem in der Lage ist, die Handlung mit immer fortwährenden Sticheleien auf die Gegenwart zu bestücken. Eine wahre Meistersatire! Gott wird hier als menschlich und nah beschrieben und nicht wenigege Parallelen fallen auf zwischen dem von Alfred im Buch errichteten Gottesstaat und der Realität. Amüsant und für den Preis ein Schnäppchen sondergleichen!