Auf Zeitmaschinen gibts kein Patent

Konrad Rudzik

ISBN: 978-3-928905-13-8
Seitenzahl: 198
Verarbeitung: Fadenheftung, Hardcover
Preis: 2,50 EUR

Science-Fiction-Roman, editionX Band 4, 12x18cm, Zeichnung: Lars Groeger


Leseprobe
Seidamont betrat den Flur und hielt in seiner Bewegung inne. Der Flur, Verbindungsraum zu den anderen Zimmern, war ohne Fenster und nicht beleuchtet, wie immer. Der Lichtkegel der geöffneten Jalousie, der von der Juniabendsonne produziert wurde, reichte nicht allzu weit, und Seidamont war ein wenig unsicher. Seine Angst vor der Dunkelheit war undefinierbar, sowohl herkunftsmäßig als auch mengenmäßig. Er hatte die letzten Stunden nur aus einem einzigen Grund wohlbehalten überstanden, seine Angst vor dem Ungewissen war noch ein wenig größer als seine Angst vor allem Unbeleuchteten. Jetzt, nachdem er zum alten Hasen in der Zeitreisebranche aufgestiegen war, kehrte die alte Abneigung zurück. Seidamont konnte keinen Schritt mehr Richtung Flur machen.
Seine Hand tastete nach dem Lichtschalter und betätigte ihn, aber nichts geschah. Sein fotografisches Gedächtnis und sein messerscharfer Verstand fanden die Lösung schnell: die Sicherung war noch draußen. Seidamont kniff die Augen zusammen. Er bildete sich jetzt zwei Sachen gleichzeitig ein, erstens, dass er eine Binde vor den Augen hatte, und zweitens, dass er mit dem Sicherungskasten blinde Kuh spielte.
Schon in der ersten Runde hatte der Sicherungskasten verloren, Seidamnont hatte ihn bald gefunden und eindeutig erkannt. Der Hebel der Hauptsicherung war auch schnell ertastet und umgelegt. Das Licht im Flur brannte, und er konnte seine Augen wieder öffnen. Der Kühlschrank sprang an, der automatische Anrufbeantworter spulte zur Überprüfung den Ansagentext ab und...Herr Gott, die Zeitmaschine...
Seidamont stürzte in sein Zimmer und betätigte den Aus-Schalter seines Heiligtums. Gerade rechtzeitig hatte er eine Katastrophe verhindert. Die Zeitmaschine hätte einen erneuten Zeitsprung machen können, ohne ihn, den Erbauer, den Erschaffer, den Kontrolleur, und wäre verschwunden, ebenfalls ohne ihn. Nach gestern, zum siebten Juni, hätte sie sich wieder aufgemacht, nicht auszudenken. Aber nun war die Gefahr gebannt. Ruhig und friedlich, so als wenn sie kein Zeitwässerchen trüben könnte, stand sie da, seine Maschine.
Zurück am Kühlschrank fiel Seidamont sofort die ungewöhnlich hohe Temperatur im Innenraum auf und dass fast nicht drin war. Seine Mama hatte wegen ihrer bevorstehenden Reise nicht viel auf Vorrat eingekauft, und Seidamont hatte wegen seiner bevorstehenden Reise gar nichts eingekauft. Der Kühlschrank war ja auch nicht eingeplant gewesen. Der sollte ja eigentlich, so mäßig gefüllt wie er war, auf Mama warten.
Seidamont besah sich die Butter und roch an der Wurst. Komisch, roch Wurst so, wenn sie eine dreißigjährige Reise hinter sich hatte, und sah sie so aus? Hatte die molekulare Struktur der Lebensmittel gelitten? Konnten er, sein Körper und sein Gesicht auch gelitten haben?


Rezension Schaufenster Eutin
Die "Spiralgalaxis 174" spielt eine große Rolle und auch die körperlichen Zeitpolizisten Waranok und Rediskan stehen im Mittelpunkt des Romans - beim Musikhören mommen ihm die besten Ideen. Wenn er am Schreibtisch sitzt und im Hintergrund "Marianne Rosenberg" oder "Alexandra" ihre Lieder singen, sprudeln die Einfälle nur so aus ihm heraus. Konrad Rudzig, dessen erstes Buch, der Science-Fiction-Roman "Auf Zeitmaschinen gibt's kein Patent" im Juni erschienen ist, hat schon immer gern geschrieben. "Es fing an mit Gedichten auf Geburtstagskarten, erst waren es Zweizeiler, dann Viezeiler und irgendwann reichte der Platz auf den Karten nicht mehr aus." Der ehemalige Polizeibeamte, der sich gerade zum Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft umschulen läßt, wurde1957 im westpreußischen Bromberg geboren. Erst mit dreißig Jahren versuchte er seien schriftstellerischen Ambitionen zu ernsthaft zu verwirklichen. Seine beiden Drehbücher "Kinderträume" und "Saubere Brüder" wurden jedoch nicht veröffentlicht. "Es gab dann eine gewisse Leere. Ich habe erstmal aufgehört zu schreiben, weil es so mühselig ist, bis man ein abgabefähiges Manuskript fertiggestellt hat. Die Lust an Science-Fiction entdeckte ich bei einem Urlaub in Spanien. Und dann laß ich im "Schaufenster", dass ein Verlag einen Science-Fiction-Autor sucht, der "Verlag71" in Plön. Der Verleger Rudi Duwe, Fan der Werke Perry Rhodans und des Bestsellers "Per Anhalter durch die Galaxis" wollt vorab 30 Seiten Inhaltsangabe haben, zehn Seiten zu den Hauptdarstellern und 20 Seiten zum Handlungsablauf", erzählt Rudzik. "Das Expose gefiel dem Verleger und so kamen wir zusammen.", betont er. Die Geschichte des Seidamont, eines wenig beachteten und noch weniger geachteten Tüftlers, der eine Zeitreise in das Jahr 1966 plant, erzählt Rudzig phantasievoll und spritzig. Die beiden körperlichen Zeitpolizisten Waranok und Rediskan vom Ende des Universums kommen Seidamont entgegen. Sie reisen zur Spiralgalaxis 174 um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Denn diese Spiralgalaxis ist die Lieblingsgalaxis vom Leiter des Universums, auf der Erde wohnt sein Sohn. Alle paar tausend Jahre schickt er deshalb zwei Polizisten vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Sie sind mehrere Milliarden Jahre alt und bewegen sich auf Schwebstühlen durchs Universum. Mehr wird jetzt allerdings vom Inhalt nicht verraten... Etwa 15 Monate habe er an seinem Buch gearbeitet, abends und am Wochenende. Seine Frau Brigitte und seine Kinder hätten einen nicht unerheblichen Anteil an der Fertigstellung dieses Buches gehabt: "Sie muntern einen auf, wenn man keine Ideen mehr hat. Wenn man niemanden hat, der an einen glaubt, dann ist das schlecht", resümiert er. Und während Rudzig so erzählt und nachdenklich seine Augen in die Ferne richtet, fragt man sich, ob er wohl insgeheim bereits die nächsten Gags sammelt. Schaufenster Eutin, 08. Oktober 1998

Rezension Fantasybuch.de
...Konrad Rudzig hat sich bereits mehrfach als Autor von Kurzgeschichten und Kriminalromanen versucht. In diesem Genre kan es nie zu einer Veröffentlichung. Erst dieser SF-Roman, eine Satire, wurde veröffentlicht. An diesem Buch gefällt mir zuersteinmal die Aufmachung. Ein hübsches, handliches Buch mit Hardcover und Seitenbindung. Macht schon was her und auf sich aufmerksam. Gut war auch der sprachliche Gebrauch des Autors, der durch umgangssprachliche Begriffe, durchaus schon mal satirische Züge aufblitzen läßt...und von der sprachlichen Seite steckt einiges Potential im Autor. Fantasybuch.de, Jörg Herberg, 11. April 2001