Wenn die Biiken brennen

Bartholomäus Figatowski (Herausgeber)

ISBN: 978-3-928905-76-3
Seitenzahl: 200
Verarbeitung: Broschur, 4-farbiger Umschlag
Preis: 12,90 Euro
z.Zt. vergriffen

In dieser Anthologie mit phantastischen Kurzgeschichten aus Schleswig-Holstein
...

... wird das Bundesland Schleswig-Holstein in ein phantastisches Licht getaucht:

Ein Biikenfeuer auf Amrum lockt zwei unerwartete Gäste aus dem Meer an. Ein Föhrurlauber nimmt einen geheimnisvollen Anhalter mit. Im Hafen von Laboe macht eine Möwe den Schnabel auf und vermeldet ein Unglück. Ein Wassermann ist dankbar und will vier Mädchen aus der todgeweihten Stadt Rungholt retten. Dutzende Fässer feinsten Jamaika-Rums werden mit 200 Jahren Verspätung in einem Flensburger Kontor abgeliefert. Doch die Empfänger wissen nicht, ob sie sich freuen oder lieber fürchten sollen …


Siebzehn bislang unveröffentlichte Geschichten von:
Claus Beese, Jonas-Philipp Dallmann, Conny Franken, Martin Gregor-Ax, Petra Hartmann, Jule Jenders, Karl-Otto Kaminski, Rolf Kamradek, Manfred Lafrentz, Chris Lind, Judith Merchant, Kai Riedemann, Rainer Schorm, Nadja Sennewald, Jörg Weigand, Karla Weigand, Verena Wolf

Herausgeber der Anthologie ist Bartholomäus Figatowski
Titelbild: Rainer Schorm




Geisterspiegel – November 2009

In dieser Anthologie wird das Bundesland Schleswig-Holstein in ein phantastisches Licht getaucht: Ein Biikenfeuer auf Amrum lockt zwei unerwartete Gäste aus dem Meer an. Ein Föhrurlauber nimmt einen geheimnisvollen Anhalter mit. Im Hafen von Laboe macht eine Möwe den Schnabel auf und vermeldet ein Unglück. Ein Wassermann ist dankbar und will vier Mädchen aus der todgeweihten Stadt Rungholt retten. Dutzende Fässer feinsten Jamaika-Rums werden mit 200 Jahren Verspätung in einem Flensburger Kontor abgeliefert. Doch die Empfänger wissen nicht, ob sie sich freuen oder lieber fürchten sollen …

Es gibt kaum eine Region in Deutschland, die nicht ihre Traditionen, Sitten und Bräuche pflegt. So auch im Bundesland Schleswig-Holstein, welches sich zwischen Nord- und Ostsee erstreckt. Da liegt es nahe, dass eines der vier Grundelemente - Wasser - sowie Mythen und Sagen um dieses Element in den Kurzgeschichten dieser Anthologie eine tragende Rolle spielen.
Schon der gewählte Titel greift ein Mythos nordischer Sagen auf. Worauf beruft man sich, wenn im Februar vielerorts im Schleswig-Holsteinschen die Biiken brennen?
Diese Tradition geht bis auf heidnische Zeiten zurück. Schon vor 2000 Jahren sollte der Opferbrand den Gott Wotan gnädig stimmen und ihn dazu bewegen, die ungeliebte eisige Jahreszeit zu beenden. Von diesem Ursprung hat sich bis in unsere heutige Zeit hier und da der Brauch erhalten, eine »Pider« genannte Strohpuppe mit zu verbrennen. Aber die Feuer leuchteten auch nach der Christianisierung weit sichtbar über das Land. Der 22. Februar wurde zu Ehren des Schutzpatrons der Fischer zum Petritag. Seit dem 17. Jahrhundert verabschiedete die Biike die Walfänger, die nach einem langen Winter mit ihren Schiffen ausliefen. In unserer heutigen Zeit ersetzt teilweise das sonst weit verbreitete Osterfeuer.

Vieles haben die 17 phantastische Kurzgeschichten der Autoren Claus Beese, Jonas-Philipp Dallmann, Conny Franken, Martin Gregor-Ax, Petra Hartmann, Jule Jenders, Karl-Otto Kaminski, Rolf Kamradek, Manfred Lafrentz, Chris Lind, Judith Merchant, Kai Riedemann, Rainer Schorm, Nadja Sennewald, Jörg Weigand, Karla Weigand, Verena Wolf gemeinsam - ob sie im Schleswig-Holsteinschen leben oder dort ihren Urlaub verbringen. Doch unterscheiden sie sich in der Herangehensweise an die Thematik. Jeder der Autoren beleuchtet seine Protagonisten aus seinem Blickwinkel, nimmt den Leser mit auf seine Reise in die Welt der Mythen und Sagen. Das ist es, was den Reiz an dieser Anthologie ausmacht.
In »Wenn die Biiken brennen« findet man Gruseliges, Düsteres, Schauriges, Unterhaltsames, Irreales - doch lässt sich zum Beispiel in der Story »Weihnachtssand für Helgoland« von Petra Hartmann ein Augenzwinkern und Lächeln wirklich nicht vermeiden.

Fazit:
Der Herausgeber Bartholomäus Figatowski hat für die Anthologie »Wenn die Biiken brennen« eine brillante Auswahl an Kurzgeschichten getroffen. Jede Story steht für sich selbst, drückt in vielfältiger Hinsicht die Liebe des jeweiligen Autors zu Schleswig-Holstein aus. Die ausgewählten Kurzgeschichten ergänzen sich untereinander und geben dem Leser einen kleinen, interessanten Einblick in die Mythen und Sagen des nördlichsten Bundeslandes.
»Wenn die Biiken brennen« ist Kurzweil und Lesespaß pur und sollte in jedem Bücherregal stehen.

Bewertung:



© Wolfgang Brandt  www.Geisterspiegel.de



Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW – September 2009
Allen Kurzgeschichten gemein ist, dass Wasser in jeglicher Form – ob als Regen, als Sturmflut oder als Meer – eine große Rolle spielt. Besonders die Sturmflut aus dem Jahre 1362, genannt Groten Mandränke, die das Dorf Rungholt überflutet hat, haben viele Autoren zum Anlass ihrer phantastischen Geschichte genommen. Dabei greifen sie hauptsächlich auf Mythen und Figuren der nordischen Sagenwelt zurück. So begegnet der Leser immer wieder Wassermännern, Wiedergängern jeglicher Art, Meerjungfrauen, sprechenden Möwen und Geistern. Die Geschichten sind überwiegend aus der Ich-Perspektive geschrieben und spielen in der Gegenwart. In dieser begegnen die Protagonisten beispielsweise Geistern, die befreit werden wollen oder die noch eine Schuld zu begleichen haben. Alle Geschichten sind sehr düster, spielen häufig bei sintflutartigem Regen oder Sturm und hinterlassen beim Leser eine Gänsehaut, wenn sie diesen abrupt in die Wirklichkeit zurückkehren lassen. Oft bleibt das Ende offen und der Leser wird mit seinen Gedanken alleine gelassen. Aus diesem Grund kann man auch nicht sofort zur nächsten Kurzgeschichte übergehen, denn dazu sind diese zu komplex und hinterlassen zu viele Fragen, über die man als Leser noch lange sinniert.
Die Geschichte "Weihnachtssand für Helgoland" von Petra Hartmann hebt sich überraschend von den restlichen mythischen Geschichten ab: Bei einem gewaltigen Orkantief werden große Teile des Nordstrandes weggebrochen, niemand aus der Unterwasserwelt weiß Rat. Doch die kleine Meerjungfrau Nestis hat einen Plan, und obwohl sie dafür von allen ausgelacht wird, wünscht sie sich kurzerhand vom Weihnachtsmann fünfhunderttausend Kubikmeter Sand. Die Meeresbewohner staunen nicht schlecht, als am Weihnachtsabend der Weihnachtsmann tatsächlich eine große Ladung Sand bringt. Petra Hartmann erzählt mit viel Humor und kindlicher Naivität und versetzt den Leser geschickt in seine eigene Kindheit zurück.
"Wenn die Biiken brennen" ist eine unterhaltsame Sammlung von mystischen Geschichten – häufig mit geschichtlichem Hintergrund – und für Schleswig-Holstein-Liebhaber eine absolut zu empfehlende (Urlaubs-)Lektüre, die einen interessanten und abwechslungsreichen Ausflug in das Reich der Geister und Unterwasserwesen dieses Bundeslandes bietet.
[Krisp Nordrhein-Westfalen] 

In der sehr schön gestalteten Anthologie "Wenn die Biiken brennen" finden sich 17 phantastische in Schleswig-Holstein spielende Kurzgeschichten, die aus über 70 Einsendungen zu einem Geschichtenwettbewerb des Verlages ausgewählt wurden. Zu den Autoren zählen u.a. Manfred Lafrentz, Chris Lindt, Judith Merchant und Rainer Schorm.
Lesealter: 16-99 Jahre, Bewertung: empfehlenswert


Phantstik-news.de vom 29. Juli 2009
Viele Regionen werden heute aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Natürlich gibt es die Reiseführer, die sachlich Sehenswürdigkeiten und Eigenheiten eines ganz bestimmten Landstrichs vorstellen; die Anekdotensammlungen, die die Natur der Menschen enthüllt; aber seit einigen Jahren werden auch die dunklere Seite und die mystischen Geheimnisse genauer unter die Lupe genommen und von eifrigen Autoren in Worte gefasst. Natürlich ist das meiste davon frei erfunden – aber manches beruht auch auf einem wahren Kern.
„Wenn die Biiken brennen“ ist eine solche Geschichtensammlung. Siebzehn Autoren präsentieren in siebzehn bisher unveröffentlichten Geschichten einen Blick auf das Bundesland Schleswig Holstein, das an zwei verschiedene Meere grenzt und ganz unterschiedliche Gesichter hat. Und wer will behaupten, dass die Erkenntnisse und Erfahrungen, die die Hauptfiguren machen, nicht wirklich einmal wahr werden könnten?
Schon in der Titelgeschichte geht es phantastisch zu, denn ein „Biikenfeuer“ auf der Insel Amrum lockt nicht nur fröhliche Menschen an sein Licht. Auch zwei Besucher aus dem Meer beschließen, ausgelassen zu feiern und zu tanzen und verändern damit das Leben zweier Menschen für immer. Doch Gewissensbisse haben sie als unsterbliche Zauberwesen der See nicht.
Anders der „Wassermann von Rungholt“, der vier Mädchen im vierzehnten Jahrhundert aus Dankbarkeit aus der zum Tode verurteilten Stadt rettet, nachdem sie ihm selbst Freundlichkeit gewährt und beschützt haben.
„Wellenkind“ greift das Thema von Theodor Fontanes „Der Schimmelreiter“ auf. Damit ein Deich nicht bricht, ist - altem Brauch zufolge - das Opfer eines Lebens notwendig. Doch das bewahrheitet sich anders, als man denkt.
Ein Mann überlebt die „Sturmflut“. Doch genau das hat er keinem lebenden Menschen zu verdanken sondern einem Mann, dessen Spuren er erst auf dem Friedhof wieder findet.
„Das Tagebuch meiner Großmutter“ führt einen jungen Mann auf die Reise in die Vergangenheit und zu einem Geheimnis, das historische Ereignisse in einem anderen Licht erscheinen lassen könnte. Doch die Geister der Vergangenheit warnen ihn auf der Suche an der nordfriesischen Küste mehrfach: Manchmal ist es besser, alte Schriften ruhen zu lassen – und wer nicht auf sie hört...
Dies sind nur einige Geschichten, die zum größten Teil fest in unserer Welt verhaftet sind und das Übersinnliche nur andeuten und streifen. Geister und Schatten umgeben die Protagonisten, die die wildromantische Landschaft einfach nur genießen wollen oder in ihr leben, doch ihre Gesichter sind so vielfältig wie die Geschichten.
Mag die eine humorvoll und augenzwinkernd auf menschlichen Schwächen herum reiten, die andere lässt dafür schaudern und schlucken. Denn auch wenn die Begegnung mit dem Übernatürlichen glimpflich bleibt, so behalten die Menschen doch eine besondere Erinnerung zurück.
Die Auswahl der Texte ist jedenfalls gelungen und sehr vielfältig, so dass jeder seine Favoriten finden kann und nicht ganz von der Anthologie enttäuscht ist. Man merkt, dass die Autoren mit Begeisterung und dem richtigen Gefühl für die vielen Gesichter Schleswig-Holsteins an die Arbeit gegangen sind und durchaus Unterschiede heraus gearbeitet haben.
Weil auch der phantastische Aspekt bei den meisten Erzählungen gut durchdacht und stimmig mit den Mythen und Sagen der Region verbunden worden sind, kann man voll und ganz sagen, dass die Anthologie „Wenn die Biiken brennen“ ihrem Anspruch mehr als gerecht wird.
Christel Scheja

hinzugefügt: July 29th 2009
Tester: Christel Scheja
Punkte: ****

Direkter Link zu phantastik-news.de

foerdefluesterer.de – 6. Juli 2009
Rettung von Geisterhand
Anthologie präsentiert phantastische Geschichten aus Schleswig-Holstein
Ein verschollener Sohn und merkwürdige Gäste, die jährlich am Tag seines Verschwindens in seinem Elternhaus auftauchen ohne zu wissen, warum. Davon handelt eine der insgesamt 17 Geschichten, die in dem Buch "Wenn die Biiken brennen - phantastische Geschichten aus Schleswig-Holstein" veröffentlicht wurden.
In einer weiteren wird eine junge Romanautorin, die sich auf die Hallig Hooge zurückgezogen hat, um an ihrem Buch weiterzuarbeiten, während eines Orkans von ein­em Mann geretttet, der eigentlich schon seit 150 Jahren verschwunden ist. Erklärlich ist nichts – spannend dagegen schon. Der Herausgeber Bartholomäus Figatowski spricht von einem literarischen Streifzug zwischen den Meeren und den Zeiten und betont, dass trotz der ausschweifenden Phantastik die Geschichten nie die Perspektive auf die Situation des modernen Menschen, seine Antriebe, Sehnsüchte und Widersprüche, verlieren.
Die Autoren verbindet allesamt ihre Liebe zu Schleswig-Holstein – egal ob sie dort leben oder dort einfach gern ihren Urlaub verbringen. Daher ist diese Anthologie vor allem für Liebhaber des Nordens gedacht und für die, die ihre Heimat mal aus einer ganz anderen Perspektive sehen wollen.
www.foerdefluesterer.de

Nordseewolf Magazin – 6. Juli 2009
In dieser Anthologie, herausgegeben von Bartholomäus Figatowski, erwarten den Leser 17 phantastische, mystische, gruselige Kurzgeschichten aus Schleswig-Holstein. Die Märchen, Sagen, Grusel- und Sci-Fi-Geschichten spielen an unterschiedlichen Orten des nördlichsten Bundeslandes. So reist der Leser auf die Nordseeinseln Amrum, Föhr, nach Flensburg und besucht sogar die sagenumwobene Stadt Rungholt, die dem Untergang geweiht ist. Hier wird jeder Nordsee-Fan seine Lieblingsgeschichte finden und sich entweder im Strandkorb oder aber im Winter vor dem Kamin angenehm gruseln und eintauchen in die phantastische Welt Schleswig-Holsteins.
Bei den titelgebenden Biiken handelt es sich um traditionelle Feuerzeichen. Woher der Brauch des Biikebrennens stammt ist unklar, Experten vermuten, dass es sich um einen heidnischen Brauch zum Vertreiben böser Geister handelt. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden mit den Biikefeuern, die heute immer einheitlich am 21. Februar entzündet wurden, die Walfänger verabschiedet. Noch heute wird das Biikebrennen vor allen auf den nordfriesischen Inseln und den Halligen im Rahmen eines Volksfestes und vielen Veranstaltungen zelebriert.
Die bislang alle unveröffentlichten Geschichten der Anthologie stammen (in alphabetischer Reihenfolge) von den Autoren Claus Beese, Jonas-Philipp Dallmann, Conny Franken, Martin Gregor-Ax, Petra Hartmann, Jule Jenders, Karl-Otto Kaminski, Rolf Kamradek, Manfred Lafrentz, Chris Lind, Judith Merchant, Kai Riedemann, Rainer Schorm, Nadja Sennewald, Jörg Weigand, Karla Weigand und Verena Wolf. Einige der Autoren wie Petra Hartmann und Claus Beese haben sich schon durch Romane und verschiedene Auszeichnungen einen Namen gemacht. Herausgeber Bartholomäus Figatowski (geb. 1976) ist Promotionsstipendiat der Hans-Böckler-Stiftung und seit 2004 freier Verlagslektor. In seiner Dissertation beschäftigt er sich mit dem Thema der kinder- und jugendliterarischen Science-Fiction.
www.nordseewolf.de/magazin

Schleswig-Holstein, Publikation des SHHB – Juli/August 2009
Aus über 70 Geschichten wurden die 17 vorliegenden Geschichten gewählt. 17 Autoren tauchen Schleswig-Holstein in phantastisches Licht und laden zu einem literarischen Streifzug zwischen den Meeren und über die Zeiten ein. Unter dem Mantel des Alltäglichen lauern geheimnisvolle Geschichten, manchmal Grauen, Irrsinn und Wahn. Wiedergänger und Wikinger, Geister und Meernixen entführen den Leser in die Vergangenheit bzw. in phantastische Welten.
Martina Daniel

Rudolf van Nahl, www.alliteratus.com – 24. Juni 2009
Wer auf Grund des Buchtitels glaubt, etwa mehr über den nordfriesischen Brauch des Biikebrennens zu erfahren, sieht sich enttäuscht. Selbst die Titelgeschichte sagt nichts Näheres darüber aus, als dass am 21. Februar in den Küstenregionen der Nordsee am Abend große Feuer angezündet werden. Dieses Buch ist eine Anthologie von siebzehn „phantastischen Geschichten aus Schleswig-Holstein“ (so der Untertitel), die alle einen Hauch von Unwirklichkeit enthalten, mal mehr oder weniger in den Vordergrund der Erzählung gerückt. Man könnte sie Spukgeschichten nennen, angesiedelt in einer Realität der Jetztzeit.
Verlag und Herausgeber haben sich bemüht, siebzehn Erzählungen etwa gleicher Art in diesem Band zu vereinen. Hervorgegangen ist diese Geschichtensammlung aus einem vom Verlag veranstalteten Erzählwettbewerb. Der Herausgeber hatte eine glückliche Hand, solche Erzählungen aus dem Wettbewerb auszuwählen, in denen neben der banalen Wirklichkeit etwas Unheimliches, nicht Erklärbares, Bedrohliches eine Rolle spielt. Selbst ein so harmlos klingender Titel wie „Das Tagebuch meiner Großtante“ birgt innerhalb der Erzählung Rätselhaftes und sogar Gefährliches, in einer Weise, das für die Beteiligten nicht vorhersehbar ist.
Es sind siebzehn Geschichten von den Küsten Schleswig-Holsteins, wobei sowohl die Nordsee als auch die Ostsee eine nicht unwichtige Rolle spielen. Die in den Erzählungen angegebenen Orte sind bis auf wenige Ausnahmen in der Regel real existierende Orte, die auch beim Namen genannt werden, wie zum Beispiel Morsum auf Sylt, Utersum auf Föhr oder das Holstentor in Lübeck. Deshalb wirkt das Irreale, was sich dort ereignet, umso erstaunlicher.
Das Bedrückende mancher Geschichten wird durch das offenkundig Irrationale der Handlung gemildert, so dass das Interesse, auch die anderen im Buch enthaltenen Erzählungen zu lesen, bleibt. Es empfiehlt sich, zwischen dem Lesen der einzelnen Geschichten einen gewissen Abstand einzuhalten; dann bleiben Spannung und Überraschungseffekt weitgehend erhalten und jede Geschichte behält ihren eigenen Reiz.
Es sind im Übrigen kurze Geschichten, die in dieser Anthologie versammelt sind. Ihr Umfang geht kaum über fünfzehn Buchseiten hinaus. Trotzdem entsteht auf diesen wenigen Seiten eine Spannung, die zum Teil in der Kunst der Autoren besteht, das Irreale der Handlung erst langsam durchscheinen zu lassen. Mit einem Hauch von Grusel, sind die Geschichten so recht die geeignete Lektüre für einen regnerischen Urlaubsabend. Aber Vorsicht: Es sind keine Gute-Nacht-Geschichten!
(Rudolf van Nahl) Quelle: http://www.alliteratus.com

Neue Deister Zeitung vom 20. Juni 2009

Fantasy Forum vom 15. Juni 2009
"Wenn die Biiken brennen" entführt uns an vertraute Plätze im schönen Schleswig-Holstein, nach Sylt, Pellworm, Westerhever oder an die Kieler Förde. Aber nicht Urlaubsstimmung steht im Vordergrund, sondern das gepflegte Hervorrufen einer Gänsehaut.
Bartholomäus Figatowski und der verlageinundsiebzig haben eine Mischung junger und erfahrener Autoren ausgewählt, die genau so vielfältig ist, wie ihre Geschichten. Da steigt Rungholt aus den Fluten auf, die großen Mandränken werden lebendig und Wiedergänger wandern über die Küstenebene, als wäre es eine Selbstverständlichkeit.
Ein Großteil der Geschichten ist aus der Ich-Perspektive verfasst, Erzählungen von Wiedergängern und Geistern sind ein wenig in der Überhand, so dass man sich über eine niedliche Idee wie den "Weihnachtssand für Helgoland" um so mehr freut.
Fazit: Eine unterhaltsame Lektüre, ideal für den nächsten Urlaub in Schleswig-Holstein oder die Vorfreude darauf.
Lothar Mischke schreibt im Fantasy Forum vom 15. Juni 2009

Terracom 118 — Juni 2009
In dieser Anthologie wird das Bundesland Schleswig-Holstein in ein phantastisches Licht getaucht.
Ein Biikenfeuer auf Amrum lockt zwei unerwartete Gäste aus dem Meer an. Ein Föhrurlauber nimmt einen geheimnisvollen Anhalter mit. Im Hafen von Laboe macht eine Möwe den Schnabel auf und vermeldet ein Unglück. Ein Wassermann ist dankbar und will vier Mädchen aus der todgeweihten Stadt Rungholt retten. Dutzende Fässer feinsten Jamaika-Rums werden mit 200 Jahren Verspätung in einem Flensburger Kontor abgeliefert. Doch die Empfänger wissen nicht, ob sie sich freuen oder lieber fürchten sollen …
Siebzehn bislang unveröffentlichte Geschichten von:
Claus Beese, Jonas-Philipp Dallmann, Conny Franken, Martin Gregor-Ax,Petra Hartmann, Jule Jenders, Karl-Otto Kaminski, Rolf Kamradek,Manfred Lafrentz, Chris Lind, Judith Merchant, Kai Riedemann, Rainer Schorm, Nadja Sennewald, Jörg Weigand, Karla Weigand, Verena Wolf
Veröffentlicht unter: www.terracom-online.net Seite 35

Horst Illmer – www.temporamores.de – 26. Mai 2009
Als ich vor vielen Jahren, während meiner Schulferien, zum ersten Mal an der Ostsee war, entdeckte ich (gebürtiger und überzeugter Franke) mein Herz für dieses flache, windige Land und seine Bewohner. Wann immer ich die Gelegenheit hatte, habe ich dort Urlaub gemacht und immer wieder auch Bücher über die Gegend oder von dort heimischen Autoren gelesen. Jetzt verbindet die von Bartholomäus Figatowski herausgegebene Anthologie »Wenn die Biiken brennen« mein Faible für utopisch-phantastische Stories mit meiner landschaftlichen Vorliebe.
Der Band enthält siebzehn »phantastische Geschichten aus Schleswig-Holstein«, hat 200 Seiten und ein Titelbild des bekannten Künstlers Rainer Schorm, von dem auch die erste Erzählung, »Sturmgänger«, ist. Überhaupt sind unter den Autoren, deren Geschichten aus über siebzig Einsendungen zu einem Geschichtenwettbewerb des Verlags ausgewählt wurden, neben vielen literarischen Neulingen auch einige sehr gute Bekannte wie Jörg und Karla Weigand, Kai Riedemann oder Manfred Lafrenz.
Erwartungsgemäß beschäftigen sich die Geschichten viel mit den Naturgewalten Meer und Sturmwind, spielen auf dem nur schwach besiedelten »meerumschlungenen« Festland oder auf den einsamen Inseln und haben der nordischen Sagenwelt und der klassischen Gespenstergeschichte mehr zu verdanken als aktuellen Trends der Science Fiction oder Fantasy.
So begegneten mir unter anderem sprechenden Möwen, uralte Wassermänner und ewigjunge Meerjungfrauen - und aus der Titelstory von Verena Wolf habe ich erfahren, was es mit den Amrumer »Biikefeuern« für eine Bewandtnis hat.
Die überwiegend sehr kurzen Erzählungen konzentrieren sich zumeist auf eine Idee oder Aussage, sind häufig sehr düster - fast immer ist auch »schlechtes« Wetter - und gruselig-unterhaltsam.
Genau das Richtige für einen Tag am Strand, wenn die Sonne scheint und man ein paar Minuten entspannen will.

LiteraTopia vom 23. Mai 2009
Das Biikebrennen, abgeleitet vom friesischen Biike, Bake bzw. Feuerzeichen, ist ein traditionelles Volksfest in Nordfriesland (in Schleswig-Holstein), das am 21. Februar, dem Vorabend des Petritags, gefeiert wird. Es ersetzt hier teilweise das sonst weit verbreitete Osterfeuer.
17 phantastische Kurzgeschichten liegen hier in einer sehr schön gestalteten Anthologie vor, wobei das Titelbild einen sofort in die richtige Stimmung versetzt. Die Hauptakteure in den Kurzgeschichten sind immer wieder Wind, Blitz, Donner, ab und an mal die Sonne und natürlich Wasser. Ganz viel Wasser in allen Formen, als Regen, als Meer, als Sintflut und immer wieder die Sturmflut, die über das Land hereinbricht und alles mitreißt und unter sich begräbt. Allen Geschichten haftet ein Hauch von Phantasie an, Geister tauchen auf und retten Leben oder wollen selbst gerettet werden.
Die Sturmflut, genannt Groten Mandränke von 1362 wird häufiger beschrieben. Sie hat das Dorf Rungholt überflutet, und so mancher Geist taucht gerne noch einmal auf und möchte seine Seele retten, indem er anderen hilft oder um die Sünden der Väter zu tilgen. Alle sieben Jahre in der Johannisnacht erscheint Rungholt erneut, um danach wieder unterzugehen. Ein paar der Kurzgeschichten sind diesem Ereignis gewidmet und gehen auf verschiedene Art und Weise mit den Geistern um.
Wir lernen dabei viele verschiedene Geister kennen. Geister, die Schuld auf sich geladen haben, Geister, die endlich gefunden werden wollen, Geister, die noch eine Fracht ausliefern müssen, Geister, die durch Tagebücher kommunizieren und wir begegnen Wassermännern und Meerjungfrauen.
Eine Geschichte hebt sich wohltuend von dem mystischen Touch der anderen ab, man wird in seine Kindheit zurückversetzt und wartet gespannt mit der Meerjungfrauenprinzessin auf den Weihnachtsmann. Ein wirklich bezaubernde Geschichte, aus der die Freude und der Glaube an den Weihnachtsmann und an Wunder geradezu heraussprudelt. Man wird in eine zauberhafte Unterwasserwelt versetzt, aus der man eigentlich gar nicht wieder auftauchen möchte.
Alle Geschichten haben ein offenes Ende - es bleibt der Phantasie des Lesers überlassen, was genau passiert ist oder noch passieren wird. Manche Geschichten enden allerdings leider sogar so abrupt, dass man hektisch das Buch nach der Fortsetzung durchblättert. Manchmal bleibt einfach auch nur ein dickes Fragezeichen im Gesicht stehen.
Obwohl das Buch recht dünn ist, liest man doch ziemlich lange daran - aber das liegt auch im Charakter der Kurzgeschichten. Man kann sich nicht fallen lassen, man muss schon sehr aufmerksam lesen, denn es verstecken sich sehr viele Informationen in den wenigen Sätzen einer Geschichte. Kaum ist man drin, ist die Geschichte auch schon wieder zu Ende - das Manko der Kurzgeschichten. Danach muss man erst einmal innehalten und reflektieren, was man da gerade gelesen hat - und ausgiebig über das Ende nachdenken. Hier hängt das Meiste einfach in der Luft und bleibt dem Leser überlassen. Man kann nicht einfach sofort zur nächsten Geschichte wechseln, dafür sind sie in sich zu komplex und man täte ihnen Unrecht, wenn man sie im Geiste nicht erst einmal verarbeitet.

Fazit

Nette kleine, phantasievolle Geschichten, die alle einen mystischen Touch und fast immer einen geschichtlichen Hintergrund haben. Für Schleswig-Holstein Liebhaber ein Muss, genauso wie für Liebhaber mystischer Geschichten. Für alle anderen ist es ein interessanter und abwechslungsreicher Ausflug ins Reich der Geister, der Unterwasserwesen und in die phantastische Geschichte Schleswig-Holsteins.


Pro und Contra

+ bekannte Orte
+ geschichtlicher Hintergrund
+ Flair der Küste
+ interessant und abwechslungsreich

- oftmals zu kurz
- offene Enden
- manche Geschichten zu abrupt beendet

Wertung: 

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 2/5