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Das kleine Haus am Meer
Wilhelm Wulf
ISBN: 978-3-928905-49-7
Seitenzahl: 103
Verarbeitung: Broschur mit 4farbigem Umschlag
Preis: 9,90 EUR
Die sich drastisch verändernde Umwelt hinterlässt überall ihre Spuren, so auch in einem Dorf an der Ostsee. Eine Wetterfront entlädt ihre feuchte Fracht und führt in der kleinen Gemeinschaft zu nie für möglich gehaltenen Überschwemmungen.
In dieser Novelle schildert der Autor, wie ein Naturereignis die Gesellschaft verändert. Energien werden freigesetzt, Leidenschaften entledigen sich ihrer Fesseln …
Wenn Sie dem Autor eine E-Mail schreiben wollen: Wilhelm.Wulf@t-online.de
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Leseprobe
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Ein herrlicher Sommertag mit strahlender Sonne und blauem Meer, kein
Lüftchen regt sich. Ich liege an Deck unseres Segelbootes, genieße die
wärmenden Strahlen und paradiesische Stille. Von den sanften Bewegungen
des Bootes im Halbschlaf gewiegt, ein wunderbarer Zustand, der ewig
dauern könnte.
„Verdammt noch mal, der Wind ist eingeschlafen, der Diesel springt
nicht an. Wir treiben zu einer unbekannten Küste, an der es bestimmt
noch Menschenfresser gibt, und du pennst wie Dornröschen in ihrem
Dornenschloss.“
Mit Flüchen aus Hypnos Armen gerissen zu werden, und das vom eigenen
Ehemann. „Bist du grausam, wenn ich’s könnte, würde ich dich kielholen.
Kratz am Mast, opfere Poseidon oder puste ins Segel. Vielleicht
bekommst du deinen Kahn dann wieder auf Kurs.“ Das war, wie ich finde,
eine noch milde Reaktion. „Wir müssen rudern, um das vor uns liegende
Dorf zu erreichen. Vielleicht gibt es dort eine Gastwirtschaft, denn
die Vorräte sind am Ende.“
Warum nicht gleich so. Dass man nicht nur von Ruhe, Sonne und Schlaf
leben konnte, entspricht sogar meiner Logik. So machen wir uns an die
Arbeit. Die Sonne versteckt sich schon hinter den Bäumen einer Allee,
als wir mit Schwielen an den Händen, krummem Rücken, knurrendem Magen,
total erschöpft an einem Steg fest machen.
„Wenn es hier so etwas wie eine Gastwirtschaft gibt, dann bestimmt
neben der Kirche. Die Bauern nutzten ihren Kirchenbesuch, um
anschließend ‚einen’ zu nehmen. Bei Beerdigungen musste das ‚Fell’
versoffen werden.“ Und auf den skeptischen Blick meines Mannes, „ich
habe schließlich mal Geschichte studiert.“
„Es ist schon später Abend. Auf dem Dorf geht man doch mit den Hühnern
zu Bett. Jetzt ist der Nachtwächter unterwegs und die Gastwirtschaft,
wenn’s hier überhaupt so etwas gibt, hat geschlossen.“
Die Skepsis meines Mannes gegen jegliche Veränderung trieb schon
seltsame Blüten. Er ist Mathematiker, verdient sein Brot bei der
Stadtverwaltung und ist als Perfektionist ein Feind des Zufälligen.
Im Dorf herrscht rege Betriebsamkeit. Riesige Fahrzeuge voller Getreide
donnern durch die Straßen, von den Feldern blitzen die Scheinwerfer der
Erntemaschinen, und im Gasthof hat sich der Segelverein zu einer
Arbeitsbesprechung eingefunden. Ein freundlicher Wirt bingt
selbstgebackenes Brot, würzigen Schinken und kühles Bier. Als wir uns
zum Abschluss noch mit einigen „Klaren“ belohnen, ist dann auch der
Tagesärger vergessen.
„Kein Problem, wir haben eine Werkstatt, die sich auf so etwas
versteht“, antwortet der Wirt, als wir den Grund unserer Havarie
erklären. „Ich habe ein Zimmer frei, das könnt ihr haben.“
Gern nehmen wir das Angebot des Wirtes an, und so endet ein
ereignisreicher Tag in den altertümlichen Betten eines Dorfgasthofes.
Am nächsten Tag gibt es dann doch noch eine nicht so gute Überraschung.
Um den Motor wieder flott zu machen, werden Ersatzteile benötigt, deren
Beschaffung einige Tage dauern kann. Wir nehmen es mit Fassung.
Herrliche Luft, stille einsame Wege entlang der Felder, ausgedehnte
naturbelassene Strände und eine hervorragende Unterkunft. Da gibt es
Schlimmeres!
Auf der Anhöhe mitten im Dorf trotzt eine romanische Kirche mit ihren
mächtigen Mauern. Mein Versuch, ins Innere vorzudringen, scheitert an
der wuchtigen zugeschlossenen Tür. Während ich versuche, das Alter des
sakralen Hauses durch überstülpen eines geschichtlichen Rahmens zu
bestimmen, nähert sich ein schwarz betuchter Mann. „Ist es erlaubt, die
Kirche zu besichtigen?“, frage ich, während er mit einem armlangen
Schlüssel das Schloss bezwingt. Zwei strenge Augen betrachten mich von
oben bis unten, bevor das Urteil fällt. „In Kürze werden hier die Gäste
zu einer Trauerfeier eintreffen. Dann müssen Sie die Kirche wieder
verlassen. Wenn Sie an der Feier teilnehmen möchten, dort in dem
Seitengang kann man auch gut sitzen.“ In ihrem Schlabberlook stören sie
die Feier, will er damit sagen. So etwas Grobes kommt natürlich nicht
über die Lippen eines mit schwarzem Zylinder, Gehrock und Lackschuhen
„bewaffneten“ Gentlemans.
Kaum habe ich mich ein wenig umgeschaut, drängt eine dicke Traube
Besucher durch die Tür. Der „Rückzug“ ist abgeschnitten. Mir bleibt nur
noch die Flucht in den Seitengang. Laute Glocken, „jaulende“ Orgel,
voller Lob triefende Reden, so hatte ich Trauerfeiern in Erinnerung und
versuche, nur mit „halbem Ohr“ zuhörend, das Bild auf dem barocken
Altar der richtigen Bibelstelle zuzuordnen. Liesa Rothagen war es,
derentwegen sich die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt hat ...
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| Kieler Nachrichten vom 18. März 2011 |
| Rezension im Probsteier Herold vom 20. April 2007 |
| Köhn (hg). Die Verbundenheit mit der heimatlichen Landschaft, Natur und den hier im Norden lebenden Menschen, aber eh die ihn auszeichnende Beobachtungsgabe und ausgeprägte Sensibilität für das Erkennen der sich langsam verändernden Klima- und Umweiltsituation, kommen auch in dem jetzt erschienenen neuen Buch des Köhners Wilhelm Wulf deutlich zum Ausdruck. Es trägt den Titel »Das kleine Haus am Meer«, hat 103 Seiten und ist zum Preis von 9,90 Euro ach in der Buchhandlung Hergeröder erhältlich.
Ob die Ereignisse nach den Starkregenfällen im Juli 2002 in der hiesigen Region, die auch die an sich hoch liegende Gemeinde Köhn arg in Mitleidenschaft zog, Ideengeberin für dieses Buch waren, sei einmal dahingestellt.
In der Kurzbeschreibung des neuen, sehr lebendig geschriebenen Buches heißt es nämlich: »Die sich drastisch verändernde Umwelt hinterlässt überall ihre Spuren, so auch in einem Dorf an der Ostsee. Eine Wetterfront entlädt ihre feuchte Fracht und führt in der kleinen Gemeinschaft zu nie für möglich gehaltenen Überschwemmungen. Energien werden freigesetzt, Leidenschaften entledigen sich ihrer Fesseln ...
In dieser Novelle schildert der Autor, wie ein Naturereignis die Gesellschaft verändert.
Der 1936 geborene Altenteiler Wilhelm Wulf überraschte seine Mitbürger/innen 1993 mit seinem ersten Werk »Zeugen der Vorgeschichte zwischen Ostsee und Selenter See«. Nach diesem reinen Sachbuch wandte er sich der Belletristik zu und hat bis heute nicht weniger als sieben heimat- bzw. regionsbezogene, spannende und mit viel Phantasie geschriebene Bücher veröffentlicht. |
| Kieler Nachrichten vom 13. Juli 2007 |
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Köhn – Sein Haus liegt nicht am Meer, aber ein Strandkorb steht auf seiner Terrasse. Dennoch nimmt Autor Wilhelm Wulf aus Köhn in seiner neuen Novelle „Das kleine Haus amMeer“ Bezug auf eigenes Erleben und Beobachten seiner Umwelt. Die Umwelt verändert sich, hinterlässt ihre Spuren auch in einem Dorf an der Ostsee. „Bis hoch an den Deich rolltendie Wellen, Gischt schwappte weit über das Land.“ Wilhelm Wulf beschreibt Naturgewalten, die mit bis dato ungekannter Intensität über das Land hereinbrechen. Spüren die Menschen nun „die Folgen der jahrhundertlangen Ausbeutung unseres Planeten“? Gottes biblische Strafe? Die Regenfluten im Sommer 2002 sind für Wilhelm Wulf Anlass, die Geschichte zu schreiben, sich auseinander zu setzen mit Veränderungen in Natur und Gesellschaft. Denn die beobachtet der 71-Jährige in seinem Heimatdorf nicht weniger als an seinen eigenen Kindern. Die Novelle ist seit seinem Debüt 1993 sein siebtes Buch. asc |
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