Strömungen und Untiefen

Jochen Hagemann

ISBN: 978-3-928905-58-9
Seitenzahl: 160
Verarbeitung: Englische Broschur mit vierfarbigem Schutzumschlag
Preis: 9,90 Euro

Der Roman beschreibt 17 Tage des Herbstes 1991 im Leben des Kapitänleutnants Karsten Mielke, Crew VII/75.
Sie beginnen mit seiner Versetzungsreise von der U-Boot-Flotille in Kiel zur Marineschule List/Sylt. Im Rahmen von nicht genehmigten Nachforschungen zu einem Todesfall führen sie ihn in eine spannende Reise über Kiel, Rostock, Berlin und Wilhelmshaven zurück nach List.
Seine Recherchen, die er mit Hilfe seiner Verbindungen zum Militärischen Abschirmdienst durchführt, erbringen ein überraschendes Ergebnis, auch für ihn persönlich.
Die Umbrüche in den Streitkräften kurz nach der Wiedervereinigung prägen seinen Berufsalltag mit entsprechenden Komplikationen. Ähnliche Erfahrungen werden alle Angehörigen der Bundeswehr in jenen Tagen gemacht haben.



Leseprobe
Dienstag, 17. September 1991
Die Kurpromenade in Westerland zeigte sich an diesem Nachmittag von seiner Schokoladenseite. In der Musikmuschel spielte ein Kurorchester. Die sehr schlanken osteuropäischen Musiker musizierten in elegant sitzenden Anzügen oder Kostümen. Auf den bunten Plakaten wurde der Dirigent als Professor angekündigt. Unter dem durchgeschwitzten T-Shirt wackelte ein umfangreicher Bauch, der so gar nicht zum Erscheinungsbild des Orchesters passen wollte.
Kapitänleutnant Karsten Mielke saß an diesem Dienstag mit vielen anderen Kurgästen auf den Stufen vor der Musikmuschel, betrachtete wohlwollend das Treiben vor ihm auf der Promenade und fand seine Lebenssituation endlich wieder einmal nicht schlecht.
„Man kann hier sicher gut leben“, dachte er, „besonders im Sommer.“ Seit einigen Stunden war er erst auf der Insel, die in den nächsten Jahren seine Heimat werden sollte.
Noch vor einer Woche war er der unzufriedene Erste Wachoffizier auf dem Testboot U-3X der deutschen Unterseebootwaffe gewesen, war aber mit dem merkwürdigen Menschen, der sich als Kommandant aufspielte und dem er zu gehorchen hatte, in keiner Weise klar gekommen. Ständig hatte er zu meckern, nichts war ihm recht und das bei einer Besatzung, die aus Neurotikern zu bestehen schien. Kein vernünftiger U-Boot-Kommandant würde einen guten Mann an ein Boot abgeben, das lediglich dazu diente, der Industrie eine Testplattform zu geben, wo neue, angeblich revolutionäre Anlagen und Geräte ausprobiert wurden. Die Besatzung hatte lediglich die Wünsche der Industrievertreter zu erfüllen und gelegentlich das Boot auch unter Wasser auf ebenem Kiel und geradem Kurs zu halten. Keine besondere Herausforderung und wohl auch der Grund, warum Mielke, der kein U-Bootfahrer ist, zum IWO gemacht worden war. Obwohl ... er hatte alle erforderlichen Kurse erfolgreich abgeschlossen.
Nach einigen schönen Jahren bei der militärischen Abwehr in Kiel, legte die Marine Wert darauf, ihn wieder mit Seewasser in Berührung zu bringen. Als Kapitänleutnant hatte er wenig Auswahl. Er freute sich auf dieses Kommando. Er träumte davon mit neuesten Technologien vertraut zu werden, ein anerkannter Experte zu werden im Wechselspiel zwischen militärischen Forderungen und der Fähigkeit der Industrie, diese Forderungen in einer Weise umzusetzen, die auch der Seemann an Bord ertragen konnte. Letztendlich war er aber nur für die Sauberkeit an Bord, einen ausgewogenen Speiseplan und sichere Navigation zuständig.
Im Geschwader wurde er belächelt, in Taktik-Konferenzen hatte er nichts beizutragen und sein launischer Kommandant machte ihm jeden Tag zur Hölle. Sie mochten sich einfach nicht. Seine Karriere bei den U-Booten stagnierte, also hatte er der Versetzung nach Sylt zugestimmt. Er arrangierte sich mit seiner Abschiebung auf die Insel.
Zweifel nagten in seinem Inneren. Machte dies überhaupt noch Sinn. Schließlich war die Mauer gefallen, Deutschland seit über einem Jahr wieder vereinigt und aus Feinden wurden Freunde.
Die Lehre von der „Vorbereitung von Alarmierungen und Mobilmachung“, sein vorgesehenes Sachgebiet in der Schule, schien überflüssig. Dennoch hatte die Schule in List, zu der er ab morgen früh gehören würde, immer noch den Auftrag, die Spezialisten der Marine auszubilden und neue Erkenntnisse in diesem Gebiet an die entsprechenen Sachbearbeiter aller Marinestäbe weiterzugeben. Dieser Auftrag wurde weiter durchgeführt, egal, ob die wahren Verhältnisse das nun zukünftig erforderlich machten oder nicht. Strukturen im öffentlichem Dienst, zu dem ja auch die Bundesmarine gehörte, waren langlebig und ließen sich nur langsam und zäh an die neue Zeit anpassen.
Was hatte ihm sein Personaloffizier gesagt: „Gehen Sie man erstmal dahin, machen Sie einen guten Job, vielleicht ja auch bei der Auflösung dieser Ausbildung und warten Sie ab. Vielleicht ist ja sogar eine Beförderung drin.“
Genau das konnte sich Mielke überhaupt nicht vorstellen, obwohl mit fast Vierzig, wäre er schon lange dran. Geld spielte dabei keine Rolle. Seine Frau hatte einen guten Job an der Uni-Bibliothek in Kiel. Bei vielen Treffen in Marinekreisen, kam die Unterhaltung früher oder später immer auf das Lieblingsthema aller Mariner: Wer wurde befördert, wer und warum noch nicht.
Seinen wichtigsten Mitarbeiter in der neuen Funktion, Oberstabsbootsmann Springer, hatte er kürzlich auf einer Konferenz in Kiel erlebt. Mielke beeindruckte dieser Mann. Er präsentierte sein Spezialgebiet, Alarm und Mobilmachung, mit viel Energie und Wissen vor höheren Offizieren. Er freute sich auf die Zusammenarbeit mit diesem Fachmann.
Springer klang nicht sehr begeistert, als er sein Kommen vor einigen Tagen ankündigte. Er meinte lakonisch: „Ich habe schon vielen Vorgesetzten beim Erlernen des ABC in A+M geholfen. Der Herr Kaleu solle ihn mal ruhig machen lassen, das wäre für beide das Beste und sie hätten dann ein gutes Auskommen.”
Das hoffte Mielke auch. Die süßlichen Donauwellenwalzer gingen ihm jetzt auf den Geist. Er schlenderte durch die Geschäftsstraßen und überlegte, wie er den Abend gestalten sollte. Sein kleines Zimmer hatte er von der Tourismus-Zentrale vor Ort zugewiesen bekommen. Es war spartanisch möbliert und keinen Blick auf die nahe Nordsee. Die Pension lag zwischen Bahnhof und Post an einer Durchgangsstraße, aber es war preiswert und für ein paar Nächte gut genug. Mit Marine-Hilfe sollte sich eine kleine Wohnung finden, die auch unter den Augen seiner Frau bestehen sollte.
Ein Fischrestaurant um die Ecke brutzelte leckere Kutterscholle, dazu schmeckte das frisch gezapfte Bier. Das Nachtleben von Westerland interessierte ihn heute Nacht noch nicht. Morgen früh musste er sich beim neuen Kommandeur melden. Ein guter erster, nicht verkaterter Eindruck, war wichtig. Der Mann konnte doch für seine Beförderung sorgen.
So kehrte Mielke am frühen Abend ins Fremdenzimmer zurück und ließ sich von der Flimmerkiste berieseln.


MarineForum - Zeitschrift für maritime Fragen – Dezember 2009

Flensburger Tageblatt vom 5. September 2008

Rezension im August 2008 - deutsche-krimi-autoren.de
Der Roman beschreibt 17 Tage des Herbstes 1991 im Leben des Kapitänsleutnants Karsten Mielke, Crew VII/75. - Sie beginnen mit seiner Versetzungsreise von der U-Boot-Flotille in Kiel zur Marineschule List/Sylt. Im Rahmen von nicht genehmigten Nachforschungen zu einem Todesfall führen sie ihn in eine spannende Reise über Kiel, Rostock, Berlin und Wilhelmshaven zurück nach List. Seine Recherchen, die er mit Hilfe seiner Verbindungen zum Militärischen Abschirmdienst durchführt, erbringen ein überraschendes Ergebnis, auch für ihn persönlich. Die Umbrüche in den Streitkräften kurz nach der Wiedervereinigung prägen seinen Berufsalltag mit entsprechenden Komplikationen. Ähnliche Erfahrungen werden alle Angehörigen der Bundeswehr in jenen Tagen gemacht haben.
Anmerkung:
Autor Jochen Hagemann erzählt in seinem Roman aus der Bundesmarine eine kleine, feine, spannende und interessante Geschichte. In flüssigem Schreibstil berichtet der Autor über die Ermittlungen im Mordfalll "Springer", einem Oberbootsmann der Marineschule in List. Der Hauptprotagonist - Karsten Mielke" verfolgt diesen Fall und stösst auf immer mehr Ungereimtheiten. Er setzt sich über seine Vorgesetzten hinweg und erntet dafür keinen Applaus, nicht mal am Ende. In schwieriger Ermittlungsarbeit und mit Hilfe des MAD gelingt es Mielke Licht ins Dunkle zu bringen. Am Ende steht die Frage, wie es mit dem Hauptprotagonisten weitergeht. Wird er degradiert oder schafft er seine Beförderung? Dem Autor gelingt es den Leser auf rund 160 Seiten zu fesseln und ihm ein Stück Marine näher zu bringen. Fazit: Interessanter Marineroman, der in vielen Häfen stoppt. Empfehlenswert!
(06.08.08) ****
     
Nachzulesen unter: www.deutsche-krimi-autoren.de

Leinen los! Mai/Juni 2008 – Magazin des Deutschen Marinebundes e.V.

Rezension in Flensburg online vom 5. November 2007
Ein Roman aus der Bundesmarine
Er wird von Kiel nach List auf Sylt versetzt. Die Nachforschungen zu einem Todesfall sind nicht genehmigt. Aber die Verbindungen zum Militärischen Abschirmdienst erweisen sich als hilfreich. Aber der Reihe nach…
"Strömungen und Untiefen" ist der erste Roman, der vom Leben der Marineangehörigen, in der Bundesmarine erzählt. Der Roman beschreibt 17 Tage im Herbst des Jahres 1991, im Leben des Kapitänleutnants Karsten Mielke.
Sie beginnen mit seiner Versetzungsreise von der U-Boot- Flottille in Kiel zur Marineschule List/Sylt. Im Rahmen von nicht genehmigten Nachforschungen zu einem Todesfall führen sie ihn in eine spannende Reise über Kiel, Rostock, Berlin und Wilhelmshaven zurück nach List.
Seine Recherchen, die er mit Hilfe seiner Verbindungen zum Militärischen Abschirmdienst durchführt, erbringen ein überraschendes Ergebnis, auch für ihn persönlich.
Deutsche Wiedervereinigung und die Umbrüche in den Streitkräften
Die Umbrüche in den Streitkräften kurz nach der Wiedervereinigung prägen seinen Berufsalltag mit entsprechenden Komplikationen. Ähnliche Erfahrungen werden alle Angehörigen der Bundeswehr in jenen Tagen gemacht haben.
Die Geschichte ist geschrieben für ehemalige und heutige Angehörige der Marine und ihrer Familien, aber auch für Leserinnen und Leser, die schon immer mehr von der Bundesmarine wissen wollten.
Jochen Hagemann wurde 1943 in Lübeck geboren. Er machte 1962 sein Abitur und ging anschließend zur Marine. Dort hatte er während seiner über 38-jährigen Dienstzeit Verwendungen in fast allen Bereichen. Zum Schluss war er in einem großen Hauptquartier in England verantwortlich für die Zusammenarbeit mit den Nicht-NATO-Ländern im Ostseeraum. Jochen Hagemann lebt mit seiner Ehefrau in Flensburg.