Schamlos scharmant - Spritzige Geschichten

Cay Baron von Brockdorff

ISBN: 978-3-928905-93-0
Seitenzahl: 112
Verarbeitung: Englische Broschur, 4farbiger Schutzumschlag
Preis: 9,90 Euro

Cay Baron von Brockdorff ist alles andere als ein stures »Nordlicht«. Mit seinem Wortwitz beweist er über alle Grenzen hinaus, wie die Kraft des Wortes wirkt. Lebensbejahender Humor, eingebettet in meist selbst erlebte Alltagssituationen erheitern das Zwerchfell und sind Denkanstoß zugleich.

Die erfreulicherweise angenehme Kürze der spritzigen Geschichten machen das Lesen zum kurzweiligen Genuss. Der Spross einer Philosophen-, Schriftsteller-und Journalisten-Familie lässt einen förmlich spüren, dass fast jedes Wort mit einem fröhlichen Augenzwinkern begleitet wird! Viel Spaß bei der Lektüre!


DBV – Der Baron verkündet – Comedy & Communication


Leseprobe

Rotkäppchen und der Wulff oder „Die mit dem Wolf tanzt!“
(Die literarische Antwort auf Bettina Wulff)

Nun wissen Eingeweihte nicht nur aus dem niederdeutschen Sprachraum, dass die Begriffe „Wulff“ und „Wolf“ identisch sind. Und welches Kind kennt nicht die Geschichte von Rotkäppchen, ihrer Großmutter und dem bösen Raubtier, das beide zu verspeisen trachtete? Dies sogar mit allerlei Verkleidungstricks, nachdem er die Großmutter an- bzw. aufgefressen hatte. In ihren Nachtgewändern versuchte der Wulff transvestierend die Großmutter vorzuspielen, um an das knusprige Rotkäppchen heranzukommen. Doch Rotkäppchen erkannte den gefräßigen Schwindler und fand die richtige Lösung.

Es haben sich in der Zwischenzeit die Zeiten geändert. Der Wolf nahm Formen des Benimms an, wurde Ministerpräsident und schließlich Bundespräsident. Rotkäppchen überschritt das 14. Lebensjahr und entwickelte sich zu einer mustergültigen Schülerin. Wulff und Rotkäppchen versöhnten sich sogar anläßlich einer Veranstaltung der Jungen Union bei einer Tasse Schokolade und seinem Autogramm auf einem Luftballon der CDU. Doch Niedersachsen, ja ganz Deutschland, kam durch Wulff nicht zur Ruhe.

Rotkäppchen wurde sogar Zeitzeugin eines Possenspiels des Wulffs, das er sich während der Zeit, als er noch alte Damen und junge Mädchen verschlang, nicht geleistet hätte. Vielleicht hätte es Rotkäppchen beim Erhalt des Autogramms auffallen müssen, dass sich die mörderischen Pranken eines im Rudel jagenden Raubtieres in gepflegte, eher zarte auf den Umgang mit Papier, wenn nicht sogar auf Papiergeld, ausgerichtete Hände gewandelt hatten.

Eines Tages verließ Rotkäppchen aus lauter Wut und Ärger die letzte Schulstunde. Diese wurde „moderiert“ von der Sozialpädagogin Elsbeth Culpa-Schredder, die die sexuellen Übergriffe des Kaplans Meier auf Schülerinnen und Schüler an Rotkäppchens Gymnasium aufarbeiten sollte.

Wie in anderen Fällen waren 30.000 Euro je Opfer an Entschädigung im Gespräch. Doch Culpa-Schredder und Rotkäppchen mochten einander nicht. Einst hatte Rotkäppchen über den Witz gelacht: „Was ist der Unterschied zwischen einer Sozialpädagogin und einem Rottweiler?“ Die Antwort lautete: „Der Rottweiler lässt das Kind eher los.“ Frau Culpa-Schreddder passte insofern in dieses Muster hinein, indem sie nicht sanft und einfühlsam die einzelnen Vorgänge erfragte, sondern eher wie eine Gestapo-Frau, die in diesem Fall auf der Seite der Täter stand, den Kindern die Opferrolle auszureden versuchte.
 
Vielleicht bekam sie ja von der Kirche eine Provision für abgelehnte Einzelfälle. So wirkte es wenigstens auf Rotkäppchen, als sie ihren „Vorgang“ mit Kaplan Meier schilderte. „Als er mir mit seinen Händen an den Schritt ging, habe ich ihm so kräftig in die Eier getreten, dass er für seine Potenz und die Funktion seiner urologischen Organe beten musste. Die Gebete wirkten.“ Die Reaktion von Frau Culpa-Schredder war niederschmetternd: „Dann warst du also im engeren Sinne nicht Opfer sondern Täter. Das müssen wir bei der Entschädigungsfrage berücksichtigen!“ Gott sei Dank, dass ein Elternvertreter empört mit der Faust auf den Tisch schlug und die Äußerungen von Frau Culpa-Schredder in der Luft zerriss.

Rotkäppchen standen die Tränen in den Augen. Still packte sie ihre Sachen zusammen und verließ den Klassenraum. Kaum auf der Straße angelangt ... (Lesen Sie bitte weiter in dem Buch »Schamlos scharmant«)



DBV – Der Baron verkündet – Comedy & Communication


Kieler Nachrichten vom 4. Dezember 2012

Plöner Seeblick vom 1. Dezember 2012