Jedermanns Feind

Daniel C. Horvinek

ISBN: 978-3-928905-33-6
Seitenzahl: 110
Verarbeitung: Broschur
Preis: 3,95 EUR
vergriffen
Groteske, aus den Abhörprotokollen der allergeheimsten Gedankenpolizei.


Leseprobe
Das Vorwort
ist zum Verständnis so notwendig wie das Nachwort und sollte auch gelesen werden. Fast zwanzig Jahre arbeitete ich mit offenen Augen und Ohren in vielen verschiedenen Amtsstuben. Bewusst und unbewusst lernte ich einige der dort üblichen Denkweisen und Verhaltensmuster kennen; zusammen mit den Erzählungen von Bekannten über ihre meist unglaublichen Büroerlebnisse kam die schlichte Erkenntnis: in unserer Zeit ist das Grauen, das Entsetzen nicht mehr unter vergessenen Friedhöfen oder unzugänglichen Höhlen heimisch, sondern herrscht mitten unter uns: in einem Büro, bewaffnet mit einem Wiedervorlagekalender.
Deshalb soll nun dieser Kalender ein mosaikartiges Selbstbildnis des unabwendbaren Grauens schaffen. Die einzelnen Gedanken und Erlebnisse wurden so stark abstrahiert, umgeformt und auf eine einzige nicht reale Person konzentriert, dass mögliche Ähnlichkeiten mit Lebenden oder ehemals Lebenden rein zufällig wären und keinesfalls beabsichtigt sind.
Sie, geschätzer Leser und verehrte Leserin, werden einen Bürokraten mit all den Gedanken, die ihm während des Dienstes durch den Kopf schlurfen, durch das Jahr begleiten. Sie erleben, wie seine Vernunft tief und fest schläft. Sie sehen, wie die Kenntnis einer Rechtsvorschrift eine Lebensgrundlage bilden kann. Und Sie stellen fest, dass auch am Mittag ein Schatten über einen Horizont hinausragen kann. Welch ein Glück, werden Sie sagen, dass dieser Frauenfeind weder Menschen ausländischer Herkunft noch Konfessionen kennt.
Wenn Sie es vor Abscheu noch können, dürfen Sie schmunzeln oder lachen. Sollte Ihnen aber einmal solch ein Ungeheuer persönlich begegnen, geben Sie ihm einfach freundlich Kerzen und Zucker.
Daniel C. Horvinek
















Rezension vom Kieler Stadtmagazin "station to station"
Wer kennt sie nicht, die mitunter absonderlichen Menschen auf dem Amt - oder zumindest die Gerüchte über die geistige Welt der Bürokraten. Daniel C. Horvinek lässt jetzt endlich alle Nichtbürokraten teilhaben an den Sorgen, Fragen, Nöten und Ärgernissen. Seine Absicht: Dieser Kalender soll "ein mosaikartiges Selbstbildnis des unabwendbaren Grauens schaffen." station to station, Kieler Stadtmagazin, Jg. 25, Nr. 7, 01. Juli 2003