In unserer Welt

Jochen Langkabel

ISBN: 978-3-928905-07-7
Seitenzahl: 100
Verarbeitung: Fadenheftung, Halbleinen Einband mit Schutzumschlag
Preis: 2,50 EUR

Ernstes und Heiteres in Versen von Dr. Jochen Langkabel mit 16 Radierungen von Klaus Weber, 21 x 29,7 cm.
Klaus Weber


Leseprobe
Prosaisch, S.18

Wer liest denn heute noch Gedichte? -
Man schreibe sie für sich allein,
um sich dann selbst an der Geschichte
in Vers und Reim gesetzt zu freun!

Wo sich die Sattheit maßlos über
die Menschlichkeit ergossen hat,
läßt man sich unterhalten lieber -
im Geiste leer - im Magen satt!

Die Namen großer Meiser schmücken
zwar hier und dort das Buchregal;
doch oft sind es nur Bücherrücken -
der Inhalt - der ist ganz egal!

Wie doch die Leute, die so protzen
entsagungsvoll und reichlich dumm
starr in die Fernsehröhre glotzen
als sei’s das Evangelium!



Sommerzeit, S. 52

Mit seiner wundersamen Macht
hat er uns über Tag und Nacht
die volle, bunte Blütenpracht
der wundervollen Welt gebracht!

Mit Regen und mit Sonnenschein
so segnet er Flur, Feld und Hain!
Da reift das Korn, da reift der Wein
bis in die Erntezeit hinein!

Was aufgekeimt ist weit und breit
vom Herbst bis in die Frühlingszeit
entfaltet uns in Herrlichkeit
ihr langersehntes Sommerkleid!

Wie warm die Sonne leuchtet hold
im sanft wogenden Ährengold, -
es regnet und Gewitter grollt;
der Schöpfer hat es so gewollt!

Da atmet schwer das müde Land
im sengend heißen Sonnenbrand, -
da - wie von dunkler Geisterhand
zieht auf eine Gewitterwand!

Da wandelt sich der Tag zur Nacht
und ein Inferno ist entfacht;
es blitzt und leuchtet, - Donner kracht, -
die Schleusen öffnen sich mit Macht!

Der Himmel strahlt so blau und klar, -
die Erde, die so durstig war -
sie dampft erquickt! Ein Schwalbenpaar
steigt auf zur milden Sonne gar!

In Ähren, Blüten, Strauch und Baum
erfüllet sich, - wie sonst wohl kaum, -
den Menschen über Zeit und Raum
der lebensvolle Sommertraum...



Der Zeitgeist, S. 94

Im Überfluß bin ich verblödet; -
Herz, Geist und Sinne sind verödet! -
Was mir allein noch auf der Welt
gefällt, ist Geld und nochmals Geld!
Da ich als Vielfraß ohnehin
geschmacklos und gesichtslos bin,
zieh’ ich - so wie ein Wurmgetier
sich Modder einzieht voller Gier -
mit schierer Wollust Schein um Schein
in meinen riesen Schlund hinein!
Geld schmeckt nicht mal nach Schweiß und Blut;
es schmeckt nach ãMehr“ - und damit gut!
Für meines Schlundes Sog und Zug
sind mir zwei Hände nicht genug;
ich könnte mir mit vielen Fängen
das Geld in meinen Corpus zwängen!
Da man von Geld nicht kotzen kann,
fang’ ich auch das Schmarotzen an
und fresse dämlich mich und dumm!
Mein Leichnam setzt das an und um -
und sei es, dass er ungeniert
den Geist der Schöpfung pervertiert!