Das Insolvenzquartett

Cay Baron von Brockdorff & Niels Remers

ISBN: 978-3-928905-81-7
Seitenzahl: 112 Seiten
Verarbeitung: Englische Broschur, 4-Farb-Cover mit Schutzumschlag
Preis: 9,90 Euro


Geeignete Mittel für und gegen die immer beliebter werdende Volkskrankheit »Insolvenzia«


Dieses Buch soll Ihnen bei dem Versuch helfen, pleite zu gehen. Denn Hilfe tut in der Krise besonders gut. Entzückte noch vor Jahren ein Witz über Gerhard Schröder die Gemüter, sind wir heute schon viele Schritte weiter. Der Witz schildert, wie anlässlich seines Geburtstages der damals dunkelhaarige Bundeskanzler und seine damals hellhaarige Gespielin und Gattin ein gutbürgerliches Speiselokal im Großraum Hannover im diskret reservierten Hinterzimmer zu speisen gedenken. Doch aus dem lauschigen Abend zu zweit wird nichts ...
Den Gang in Richtung „Bolzenschuss“ vom Schlachter macht man solidarisch und am liebsten im kontrollierbaren Gleichschritt. Seitenbewegungen oder Extrasprünge sind unbeliebt, weil sie den Ablauf stören. Alles am Besten behördlich geregelt und in überschaubaren Etappen. So ähnlich wie beim Handwerksmeister, der dem Lehrling den „Schlachtplan“ für den nächsten Tag erläutert: Morgen melden wir beim Amtsgericht Konkurs an, damit Du das auch mal lernst!“ Die Subkultur der Pleite-Unternehmer, also die Juristen, Steuerfachleute, Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsforscher stehen schon mit Gebührenordnungen, Honorarvereinbarungen und Machtansprüchen in der Ecke und reiben sich die Hände: „Hoffentlich nimmt das Debakel noch kein Ende!“...
Natürlich können Sie im Falle Ihrer Insolvenz stolz mit dem Finger auf die Regierung zeigen und in Verona Poth-Manier stöhnen: „Hier wurde mich geholfen“, Sie können natürlich auch die Flucht nach vorn antreten, nämlich die Flucht nach Liechtenstein und wie der einst wichtigste deutsche Postillion auf Ihre strafrechtliche Decouvrierung warten, was – wenn nicht besonders vermögend – auch in die Insolvenz führt. Es gilt ein alter Unternehmergrundsatz: „Die Zeit in Untersuchungshaft kostet Geld und nimmt Dir Kraft“...


DBV – Der Baron verkündet – Comedy & Communications


Leseprobe
Dieses Buch soll Ihnen bei dem Versuch helfen, pleite zu gehen. Denn Hilfe tut in der Krise besonders gut. Entzückte noch vor Jahren ein Witz über Gerhard Schröder die Gemüter, sind wir heute schon viele Schritte weiter. Der Witz schildert, wie anlässlich seines Geburtstages der damals dunkelhaarige Bundeskanzler und seine damals hellhaarige Gespielin und Gattin ein gutbürgerliches Speiselokal im Großraum Hannover im diskret reservierten Hinterzimmer zu speisen gedachten. Doch aus dem lauschigen Abend zu zweit wird nichts. Beim Durchschreiten des großen Gastraumes müssen beide einen großen Tisch passieren, an dem johlende, vor Begeisterung entfesselte Herren Lobeshymnen auf die Regierung ausbringen und ihr mit euphorisiertem Augenausdruck den Dank für die enorme Arbeitsunterstützung aussprechen. Gerhard Schröder und Gattin Doris nehmen sich den kredenzten Schnaps zur Brust und fragen, ob die fröhliche Runde aus Gewerkschaftsfunktionären bestünde. Die Lachsalve schwoll an und die glückseligen Herren kicherten wie pubertierende Gymnasiasten: „Was heißt hier Gewerkschaftsfunktionäre, wir sind ein Stammtisch von Insolvenzverwaltern“. Da waren die Schröders zunächst einmal platt, danach hielt der Kanzler schon mal die Augen für einen Aufsichtratsposten in Russland offen.
Diese Flexibilität des Mannes, den man auch in seiner Jugend „Hotte“ nannte, ist Gift für Ihr ehrenwertes Ansinnen, pleite zu gehen. Denn den Gang in Richtung „Bolzenschuss“ vom Schlachter macht man solidarisch und am liebsten im kontrollierbaren Gleichschritt. Seitenbewegungen oder Extrasprünge sind unbeliebt, weil sie den Ablauf stören. Alles am Besten behördlich geregelt und in überschaubaren Etappen. So ähnlich wie beim Handwerksmeister, der dem Lehrling den „Schlachtplan“ für den nächsten Tag erläutert: „Morgen melden wir beim Amtsgericht Konkurs an, damit Du das auch mal lernst!“
Die Subkultur der Pleite-Unternehmer, also die Juristen, Steuerfachleute, Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsforscher stehen schon mit Gebührenordnungen, Honorarvereinbarungen und Machtansprüchen in der Ecke und reiben sich die Hände: „Hoffentlich nimmt das Debakel noch kein Ende!“ Während der natürliche Schwarzhaarige mit der haarigen roten Politik keine Strähne darüber verlor, dass sein Wahlergebnis nicht zum Sieg über Frau Merkel reichen würde – und deswegen ein Auslandsengagement im Osten suchte –, waren die daheim, also zurück Gebliebenen wie in Trance.
Es gab Erstaunliches durch den Politik-Wechsel. Sowohl im fiskalischen wie im wirtschaftspolitischen Bereich wurden die Weichen komplett anders gestellt, wie vor der Wahl versprochen. Statt einer moderaten 1%igen Mehrwertsteuererhöhung gab es gleich drei Prozent und statt einer Vereinfachung des Steuersystems eine Komplizierung von Verwaltung, Fiskus und Staatsapparat. Doch bleiben wir beim Einzelnen. Natürlich können Sie im Falle Ihrer Insolvenz stolz mit dem Finger auf die Regierung zeigen und in „Verona Poth-Manier stöhnen“: „Hier wurde mich geholfen“.
Sie können natürlich auch die Flucht nach vorn antreten, nämlich die Flucht nach Liechtenstein und wie der einst wichtigste deutsche Postillion auf Ihre strafrechtliche Decouvrierung warten, was – wenn nicht besonders vermögend – auch in die Insolvenz führt. Es gilt ein alter Unternehmergrundsatz: „Die Zeit in Untersuchungshaft kostet Geld und nimmt Dir Kraft“. Das alles sind Einflussgrößen für Ihre Insolvenz, die durch die Rahmenbedingungen anderer geschaffen werden. Langweilig.
Aber wenn Sie den Kampf, siegreich in die Insolvenz eintreten zu dürfen, ernst nehmen, dann müssen Sie das Spiel um das Walhalla der Zahlungsunfähigkeit genießen wie ein Kartenspiel, ja wie ein Quartett, bei dem es darum geht, mit aller Vehemenz ökonomischen Menschenverstand und sensible Grundsätze bei wirtschaftlichem Handeln zu verspielen. Ja, nicht nur das. Vielleicht  hilft ja auch ein permanenter Verstoß gegen die Würde von Menschen, oder das Ignorieren bzw. Untergraben von Leistungsbereitschaft, Ihr Ziel konsequent und zügig zu erreichen.
Wir Autoren haben Ihren Kartenhaufen durchgemischt und vier Felder entdeckt, denen Sie Ihre Karten zuordnen können:
Organisation, Kommunikation, Motivation und Kompetenz
Es gibt noch eine fünfte Karte die Sie erwischen können, das ist der Markt.
Der Markt ist Ihr Joker. Wie entsetzlich! Wenn Sie diese Karte gezogen haben, haben Sie keine Chance. Weder in die eine, noch in die andere Richtung.
Angenommen, Sie sind Autohändler und haben alles getan, um insolvent zu werden und die verdammte, staatlich verordnete Abwrackprämie sorgt auf einmal für einen Nachfrageboom nach Kraftfahrzeugen, dann haben Sie wahrscheinlich die Arschkarte gezogen und müssen das Thema Insolvenz wieder um eine gewisse Zeit verschieben. Umgekehrt sieht es schon besser aus, wenn Sie Zahnarzt sind und innovative Verfahren zur Bekämpfung von Karies auf den Markt kommen. Sollte also beispielsweise ein Impfstoff gegen Karies, den es bereits gibt, die Hürden der Lobby nehmen und zugelassen werden, haben Sie gute Karten, dass Ihr Insolvenzantrag vom Amtsgericht akzeptiert wird. Auf den folgenden Seiten werden wir Sie herzlich gern ausführlich informieren, instruieren und indoktrinieren, wie’s mit der Insolvenz klappt. Sie müssen nur schwarz und weiß voneinander trennen können.
Zu Ihrer Information: das Schwarze sind die Buchstaben.

Herzlichst!
Niels Remers
Cay Baron von Brockdorff




Kieler Nachrichten vom 15. Janaur 2010

Schaufenster - Plön, Lütjenburg vom 2. Dezember 2009

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