Ab 5.45 Uhr wird zurückgesprochen!

Cay Baron von Brockdorff

ISBN: 978-3-928905-85-5
Seitenzahl: 112 Seiten
Verarbeitung: Englische Broschur, 4farbiger Schutzumschlag
Preis: 9,90 Euro

In einer Zeit, in der Wort und Schrift eine besondere Herausforderung in allen Kulturkreisen darstellen, wird deutlich, wie wichtig Sprache beim Zusammenwachsen der Völker und bei der Inte­­gration von Menschen anderer Wurzeln in den deutschen Sprachraum hat. Sprache ist vergleichbar mit einem Küchenmesser. Man kann damit Hungernden eine Scheibe Brot abschneiden, oder: verletzen, zustechen und töten. Worte können Balsam sein und Wohlbefinden erzeugen, humorvolle Gedanken auslösen, zusammenführen oder trennen.
Die Wirkung von Sprache ist allumfassend und gleichzeitig facettenreich. Wortwitz verbindet. Humor lässt sich nur durch Worte oder Pantomime ausdrücken. Es vergeht einem aber das Lachen, wenn z.B. Politiker vor der Wahl „die Sprache des Volkes sprechen“ und nach der Wahl sich nur noch „gewählt“ ausdrücken. Auch peinliche Vorkommnisse auf höchstem Niveau lassen die Menschen außerhalb der Parlamente (was grob übersetzt  für politisch nicht Interessierte soviel wie „Schwatzbuden“ heißt), aufhorchen und erschrecken.
So ist es zum Beispiel gelungen, dass der von Frau Merkel nach Brüssel katapultierte neue EU-Kommissar Oettinger sich durch den schwäbischen Sound seiner englischen Dienstsprache so unverständlich machte, dass Lachen und Kopfschütteln seiner Zuhörer noch zu den besten Reaktionen auf sein  „Sprechen“ in seiner EU-Funktion gewertet werden mussten. Der ähnlich sprachlich begnadete deutsche Verkehrsminister Ramsauer wollte englische Begriffe aus dem offiziellen Wortschatz in den Amtsstuben seines Ministeriums streichen lassen. Fast zeitgleich zu Oettingers Verbalakrobatik.
Merkwürdig! In einer Zeit, in der Deutschkenntnisse zur Eintrittskarte derer gemacht wird, die zu uns herein wollen, werden sprachliche Fehltritte und Einschränkungen derer hoffähig, die uns nach draußen vertreten!
Wir müssen uns dagegen wehren, dass in einer Zeit notwendig gewordener sprachlicher Vielseitigkeit deren Eindampfen aus persönlichen Gründen und dilettantischer Unfähigkeit hingenommen wird.
In diesem Sinne bekommt der Titel „AB 5.45 UHR WIRD ZURÜCKGESPROCHEN!“ eine besondere Dimension. Die Geschichten hingegen sollen mit Wortwitz und Humor den Leserinnen und Lesern außerordentliches Vergnügen bereiten!
Viel Spaß bei der Lektüre!


DBV – Der Baron verkündet – Comedy & Communication


Leseprobe
Die letzte Ölung

Gegenwärtig steht die katholische Kirche im Fokus scharfer Kritik in der Öffentlichkeit. Nachdem sich der Papst öffentlich in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Irland und nun auch zögerlich in Deutschland für Gewalt und sexuellen Mißbrauch entschuldigt, hält ein Teil der Bevölkerung die katholische Kirche für eine kriminelle Vereinigung. Ein anderer Teil grübelt über ihre Verfassungsmäßigkeit nach.

Warum? Nun, gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes dürfen Männer und Frauen ihres Geschlechtes wegen nicht bevorzugt oder benachteiligt werden.

In den Job-Angeboten werden die Männer eindeutig bevorzugt, weil die Kirche sich beharrlich weigert, Mädels und Frauen zu Priesterinnen zu weihen. Während die Buben Ministranten werden können, bleibt den Mädchen das Kochen von Minestrone, daheim bei Mama – und nicht im Kirchenschiff.

Nachdem der Papst den umstrittenen Regensburger Bischof  Walter Mixa aus dem Verkehr zog und ihm Stille, innere Einkehr und Meditation verordnete, scheint dieser zum Widerstand bereite Mann, endlich nachzugeben. Denn Mixa hatte nach seinem Rücktrittsgesuch behauptet, es sei ihm abgenötigt worden und wollte deshalb wieder zurück ins Amt.

Das Volk fragte sich, warum dieser agile Gottesmann die innere Einkehr nicht gemeinsam mit dem Wettermoderator Jörg Kachelmann, der angeblich seine Freundin vergewaltigt haben soll, im Untersuchungsgefängnis Mannheim verbrachte.
Ein super Synergie-Effekt für beide. Mixa hätte einen, der für ihn „gut Wetter“ macht und Kachelmann hätte einen Beichtvater mit einem großen Erfahrungshintergrund zum Thema Mißbrauch gehabt!

Aber den Karrieresprung vom Weihbischof zum Knacki traute sich der einst Watschen verteilende Gottesmann noch nicht zu. Vielleicht hilft da ja mal irgendwann die Staatsanwaltschaft nach. Zumindest, wenn sich noch nicht verjährte Straftatbestände vor Gericht bringen ließen. Ansonsten müssen wir alle in das von Mike Krüger in weiser Voraussicht geschriebene und gesungene Lied „Mein Gott, Walter!“ einstimmen.

Allerdings ist im Falle einer Verurteilung von Kachelmann oder Mixa die Warnung von Gen-Forschern und anderen Biologen nicht zu überhören. Sie behaupten: „Kriminalität verbreitet sich durch Zellteilung!“ Insofern ist die gemeinsame Unterbringung beider in einem Haftraum in Mannheim auch wissenschaftlich streng umstritten!

Doch es gibt auch höchst Erfreuliches aus dem katholischen Alltagsleben.

Etwas mit praktischem Nährwert. So soll sich  kürzlich in der Geburtsstadt des Bundespräsidenten Wulff, in Osnabrück, folgendes ereignet haben.

Die Polizei fand eine Schnapsleiche am Stadtrand und ruft den Rettungswagen. Der regungslose Säufer schien wirklich zwischen Koma und Tod zu schweben. Noch vor dem Eintreffen des Notarztes eilt ein katholischer Priester herbei, kniet nieder und fragt: „Soll ich Ihnen die letzte Ölung geben?“ Die Schnapsleiche bäumt sich wie vom Blitz getroffen auf und kontert lallend und rülpsend: „Eh, Alder, jetzt bloß nichts Fettiges!“ Man sieht also, dass die Worte eines katholischen Geistlichen wiederbelebende Wirkung haben können. Ja, sogar deren Körpersprache ist zu Beachtlichem in der Lage.

Den Beweis dazu lieferte ein dramatisches Ereignis im Hamburger Tierpark Hagenbeck vor einigen Jahren. Ein Orang Utan entwich unbemerkt aus dem Affengehege und kletterte auf eine wunderschöne Platane. Da die Wärter ihn weder mit Bananen noch mit guten Worten herunterlocken konnten, bat man die Feuerwehr um Amtshilfe. Sie rückte mit einer Drehleiter an und wollte ihm im wahrsten Sinne zu Leibe rücken. Dies misslang, weil immer, wenn ihm einer seiner Häscher zu nahe rückte, der Affe sich entweder bis in die höchsten Wipfel begab und sich von dort wie einst Tarzan zu einem anderen Baum schwang. Die Feuerwehrleute waren verzweifelt. Bis ein katholischer Pfarrer in Dienstkleidung vorbeikam, die Situation für sich analysierte, dann zum Affen aufschaute und dreimal mit deutlichen Armbewegungen das Zeichen des Kreuzes schlug. Der Orang Utan blickte versteinert zurück, kratzte sich still am Kopf, dachte nach, begab sich dann still auf die Drehleiter, kletterte nach unten und ließ sich widerstandslos abführen.

Der Einsatzleiter zeigte dem Geistlichen seinen vollen Respekt mit den Worten: „Donnerwetter! Respekt und volle Bewunderung! Was Sie als Theologe mit der Kraft des Glaubens bewirkt haben, sprengt jegliche Vorstellungskraft! Drei mal haben Sie das Kreuz geschlagen und schon war der Affe friedlich und ließ sich ohne Protest oder Theater wieder ins Affenhaus bringen! Respekt, Herr Pfarrer!“

Monsigniore konnte sich ein Lachen nicht verkneifen und entgegnete dem Feuerwehrmann vergnügt: „Für Sie war es das Zeichen des Kreuzes, für den Affen eine unmissverständliche körpersprachliche Warnung. Mit der vertikalen, also senkrechten Handbewegung habe ich dem Tier signalisiert: „Wenn du nicht sofort herunter kommst ...! Pause – dann die horizontale Bewegung der Hand von links nach rechts – sägen wir den Baum ab!“

Poetische Zwischenbilanz für den eiligen Leser auf der geistigen Durchreise: „Geistliche, die sich hilfreich tummeln sind willkommener als die, die schlagen, grabschen oder gar fummeln!“

Trotz der zahlreichen Kirchenaustritte wegen missbrauchter Kinder in kirchlichen Heimen und Bildungseinrichtungen gibt es auch Lichtblicke bei der Verkündung der Heiligen Schrift.

In einer kleinen Gemeinde im Spessart begeisterte ein junger Priester bei seiner Antrittspredigt die Gemeindemitglieder und seinen Bischof derart, dass es zu tumultartigem Applaus und Standing Ovations kam.

Der Geistliche hatte sich allerdings vorher kräftig Mut angetrunken und konnte daher die Wirkung seiner mit viel Empathie gehaltenen Predigt nicht erklären! Also fragte er seinen Bischof nach einem ehrlichen Feedback.

Der Bischof sagte in versöhnlichem Ton: „Deine Rhetorik bei der Verkündung der Heiligen Schrift ist unübertrefflich! Doch in der Sache erlaube ich mir, drei Dinge richtig zu stellen!

1. Jesus wurde nicht erschossen, sondern ans Kreuz geschlagen.
2. Im Vater Unser heißt es richtigerweise ... und führe mich nicht in Versuchung statt ... und suche mich nicht in der Unterführung! und ...
3. sagt man am Ende eines Gebetes AMEN und nicht PROST!“

Diese sympathischen kleinen Verfehlungen bei der Verkündung der Heiligen Schrift sind eher Fröhlichkeit erzeugend als der sexuelle, seelische oder körperliche Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, die auf diese Weise bis zu ihrem Lebensende traumatisiert sind. Da nützen auch keine runden Tische und Versöhnungsforen sondern schlicht und ergreifend langjährige Haftstrafen für die Täter!

Und an Bildungseinrichtungen, in denen Missbräuche vorgekommen sind, müssten Warnhinweise wie auf den handelsüblichen Zigarettenpackungen angebracht werden: „Achtung! Diese Schule verfügt über eine Missbrauchstradition an Schülern! Ihr Kind könnte geschädigt, seelisch zerrüttet und für den Rest seines Lebens dauerhaft traumatisiert werden.“

Das wäre vermutlich die letzte Ölung für derartige Einrichtungen. Stillstand durch Leerstand! Aber konsequent. Geölt,geschmiert aber nicht gesalbt wird auch außerhalb der Religionsgemeinschaften.

Die großen Energie-Konzerne verstehen es immer wieder, den Politikern durch Lobbyisten und gezielte überparteiliche Maßnahmen klar zu machen, dass der längst beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie zur Erhaltung der Versorgungssicherheit um viele Jahre verzögert wird. Der schnöde Mammon ölt die Getriebe der Konzerninteressen. Statt sich für Gezeitenkraftwerke, Windenergie und Photovoltaiktechnik einzusetzen, macht man den Volksvertretern und deren Vertretenen Angst, es gäbe nichts mehr aus der Steckdose, wenn man die veralteten und abgeschriebenen Kraftwerke nicht am Netz ließe.

Jedes dieser Kernraftwerke lässt die Bilanzen der Konzerne „strahlen“, mit einer Million Euro Gewinn am Tag. Da liegt der Verdacht nahe, dass Beraterverträge mit Politikern oder Aufsichtsratsposten für ehemalige Ministerpräsidenten von besonderem Reiz sind! Zum gegenseitigen Nutzen! Die Lobbyisten und die im Energiegeschäft involvierten Politiker können sich getrost dann auch als Experten der Abfallwirtschaft bezeichnen, weil sie genau wissen, was für jeden von ihnen finanziell abfällt. Jeder weiß, dass die regionalen Energieversorger schon jetzt in der Lage sind, bis zu 80 % des Stroms selbst zu erzeugen! Und das ist mit vernünftigen  Konzepten enorm steigerbar.

Gegenwärtig sorgt die Natur im Golf von Mexiko durch menschliches Versagen für die letzte Ölung! Zwar wird möglicherweise die Produktion von Ölsardinen einfacher, aber sicherlich nicht nach dem Geschmack der Konsumenten. Ökonomische Habgier hat es vermutlich an den notwendigen Sicherheitsmaßnahmen bei der Ölförderung fehlen lassen.

Betrachtet man den doppelten Schaden, nämlich die hunderte von Milliarden nicht verkaufter sondern vergossener Liter Öls, ist die Bilanz von BP gar nicht voraussehbar. Der entgangene kaufmännische Gewinn an ausgeströmtem Öl ist so wenig greifbar wie die verheerenden Umweltfolgen einschließlich der vernichtenden Folgen für den ozeanischen Lebensraum und die betroffenen Küstenregionen mehrerer amerikanischer Bundesstaaten.

Auch wenn die Firma BP alles tut, was sie vermag, um eine Ausweitung der Katastrophe zu verhindern – sie vermag eben nichts. Die letzte Ölung des Globus ist vollzogen. Für die entstandene Gesamtschadenssumme hätte man vermutlich die gesamte Energieproduktion Amerikas auf Umwelt verträgliche Methoden umstellen können! Vielleicht auch noch die Europas!

Da ist mir doch ein kleiner Fauxpas eines besoffenen Pfarrers lieber als eine nicht rückgängig zu machende, von Menschenhand erzeugte Naturkatastrophe! In diesem Sinne Prost statt Amen! Meinen Segen hat er!



Schaufenster Plön/Lütjenburg vom 20. November 2010


Kieler Nachrichten vom 17. November 2010