Wie herrlich, dass wir so dämlich sind

Cay Baron von Brockdorff

ISBN: 978-3-928905-63-3
Seitenzahl: 112
Verarbeitung: Englische Broschur mit vierfarbigem Schutzumschlag
Preis: 9,90 Euro
vergriffen
Zu unrecht sagt man uns Schleswig-Holsteinern Wortkargheit nach. Gesprächigkeit hängt oft von der Windrichtung und der Geschwindigkeit ab. Wenn ein Orkan beim Sprechen in’s offene Mundwerk bläst, könnten Halserkrankungen und Zahnausfall die Folge sein, zumal jeder Bürger des nördlichsten Bundeslandes weiß, dass die Brücken bei Sturm gesperrt werden.
Allein die Entscheidung, welcher der vier Sprachen man sich bedient, lässt uns manchmal etwas abwarten! Und wenn wir dann manchmal auch auf Platt verzichten, so verzichten wir selten auf die Plattitüde, die in unserem Verständnis das Vorspiel zu tiefgründigen philosophischen Gedanken und Betrachtungsweisen ist.
Wortkarg ist also von Geburt aus kein Holsteiner, sonst hätten nicht so viele aus unserem Lande in aller Welt Freunde gefunden!
Die meisten der Geschichten spiegeln Erlebnisse des Autors wider und zeigen auf, wie man sich heutzutage mit der Waffe des Wortes, in einer globalisierten Welt durchschlagen kann.

DBV – Der Baron verkündet – Comedy & Communications


Leseprobe
Als Frauenfreund – ja fast als Frauenrechtler – beklage ich die Irrwege der deutschen Sprache. Wir jubeln über „herrliches Wetter“ und beklagen „dämliche“ Antworten. Den Damen wird über das Adjektiv Blödheit bescheinigt, den Herren Attraktivität. Woher kommt diese ungerechte sprachliche Demütigung der Mehrheit der Bevölkerung? Immerhin leben die Damen statistisch acht Jahre länger als die Kerle und haben schon längst bewiesen, dass sie in zahlreichen Feldern des täglichen Lebens ihren männlichen Zeitgenossen überlegen ist. Sogar beim forschen Auftritt einer Frau im öffentlichen Leben vermeidet man das Wort „herrlich“ und ersetzt es allenfalls  durch “burschikos“, das einem heranwachsenden Mann – eben einem Burschen – zuzuordnen ist. Tritt ein Mann eher weiblich auf, sagt man oft ‚tuntig’ und spricht ihm von vorneherein eine heterosexuelle Orientierung ab.
Der Hausherr hat die Gewalt über das Anwesen, die Hausdame hat eine leitende, aber untergeordnete Funktion. Eine Schlossherrin passt in unser Sprachbild, aber ein ‚Schlossdamerich’? Der Gangster, der Flegel, der Rüpel sind negativ besetzte männliche Begriffe. Die Krankenschwester, die Liebe, die Großzügigkeit sind positive weibliche Begriffe. Es wird nur verwegene Ausnahmepersönlichkeiten als Nutzer der deutschen Sprache geben, die von Krankenbruder oder Lieberich reden, um die Begriffe zu vermännlichen.
Selbst der homosexuelle Mann, der mit Seinesgleichen eine Lebenspartnerschaft vor dem Standesamt beurkunden lässt, haucht seinem Gatten nicht in’s Ohr: „Unser Lieberich möge ewig halten!“ Ganz kompliziert würde es, wenn wir auch noch sächliche Begriffe in das Sprachspiel mit einbezögen.
Also bleiben wir bei Mann und Frau. Bei Beschimpfungen greifen wir auf die Tierwelt zurück. Der ‚blöde Hund’ oder der’ bescheuerte Esel’ sind  bei Männern  geflügelte Bezeichnungen für Geringschätzung, während ‚blöde Gans’, ‚dumme Pute’ oder ‚Ziege’ Angehörige des weiblichen Geschlechts abwerten. Kaum ein Mensch wird eine Frau mit ‚unintelligente Hündin’ oder ‚bescheuerte Eselin’ beleidigen wollen. Im umgekehrten Fall würden ‚dummer Puter’ oder ‚blöder Ganter’ eher Verblüffung als Verletzung erzeugen.
Aber sei es wie es ist: Im Behördendeutsch drückt sich auf Schriftstücken die Gleichberechtigung von Mann und Frau durch eine typografische Verballhornisierung aus. Auf Anschreiben und Formularen steht ‚BürgerInnen’, ‚LehrerInnen’, ‚SchülerInnen’. Wo liegt der demokratische Vorteil? Ist das ein Schritt in die Richtung der Umsetzung des verfassungsmäßigen Gleichheitsgrundsatzes (Art. 3III GG)? Wo muss weiblich, wo muss sächlich wo muss männlich formuliert werden? Interessanterweise sind die ‚biologischen Außenbereiche’ des menschlichen Körpers maskulin, während viele Organe im Rumpf weiblich sind. Der Kopf und der Fuß sind männlich, die Lunge, die Niere, die Milz, die Brust, die Bronchie, die Leber weiblich sind. Aber warum sind der Magen, der Darm, der Hintern wiederum männlich? Die Intelligenz ist weiblich, der Schwachsinn männlich.
Mit meiner Tochter Pina Sophie machte ich aus diesem Quatsch ein Spiel. Wir aalten uns am Mittelmeer in der Sonne und verabredeten, maskuline Begriffe  in feminine zu  wandeln.
Ich sagte zu meiner Tochter : „Du zauberhafte Schlauköpfin, sei vorsichtig, die Sandin ist sehr heiß, der Sonnerich brennt ziemlich stark!“ Sie antwortete spielerisch: „Die Himmelin  ist wunderbar blau, es ist kein Wolkerich zu sehen! Die Wetterberichtin sagt auch für die nächsten Tage viel Hitzerich voraus!“ Plötzlich kam ein Eisverkäufer in Sichtweite und sie fragte mich, ob sie ein Eis haben dürfte. Ich bejahte und ergänzte: „Ich muss nur meinen Brusterich zu Ende einölen, dann gebe ich Dir Kleingeld.“ Wir lachten herzlich und amüsierten uns über den/die SchwachsinnIn auf den Formularen.
Zurück in Deutschland, hatte ich die Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch mit einer Dame, die sich auch politisch lobenswerter Weise für die Gleichberechtigung der Frauen einsetzt. Ich erzählte ihr von den Wortspielen mit meiner Tochter und meinte, dass man es sprachlich in Gesetzen, Vorschriften und Formularen auch übertreiben könne. Sie trug schon mit ihrer  Frisur, einem praktischen Herrenschnitt, zur Emanzipation der Frau bei. Obwohl sie durch ihr Antlitz eher maskulin streng wirkte, lächelte sie, als ich sie auf ihren  Herrenschnitt hinwies. Sie entgegnete, dass dies praktischer sei. Ich hatte es in den letzten Wochen nicht mehr zum Friseur geschafft und wies auf  meine nicht ondulierte und der Länge wegen eher als „Damenfrisur“ zu  bezeichnende Haarpracht hin. Sie wollte darauf hin das Gespräch mit mir bei einem Spaziergang im Freien vertiefen...



Kieler Nachrichten vom 27. November 2007
Und noch ein Lachbuch: Redensarten auf der Goldwaage
Cay Baron von Brockdorff lädt zum Schmunzeln und Nachdenken ein
Dörnick/Plön – Wer sich mit Cay Baron von Brockdorff aus Dörnick unterhält, sollte seine Worte sehr genau wählen. „Die Sprache ist unser wichtigstes Instrument, um vernünftig miteinander umzugehen“, sagt der Kommunikationstrainer und Buchautor, der sich selbst als „Karikaturist des Wortes“ beschreibt. Diese Leidenschaft, einzelne Redewendungen zu hinterfragen, treibt Brockdorff in dem Büchlein „Wie herrlich, dass wir so dämlich sind“ auf die Spitze.
„Nach zehn Sachbüchern war es einfach an der Zeit, auch einmal ein Lachbuch zu schreiben“, erzählt der beredte Schriftsteller. Oder besser zwei Lachbücher, denn nach den erfolgreichen „Zwölf kleinen Köstlichkeiten“ – so der Titel des ersten Sammelbandes mit humorvollen Kurzgeschichten – präsentiert Brockdorff nun eine Lektüre mit 13 Anekdoten zum Schmunzeln und Nachdenken.
„Die Zugabe von einer Geschichte ist meine Art von Rabatt“, erläutert der Verfasser und ist damit auch gleich mitten in der Vorstellung seines neuen Werks. In dem Kapitel „Rabatt“ widmet sich Brockdorff ausführlich der „Geiz-ist-geil-Gesellschaft“ und den Auswüchsen, die das Feilschen mit sich bringen kann. Was passiert, wenn nicht nur um den Preis für das Auto, sondern auch für die Beerdigung geschachert werde. Wie würde sich dieses pietätlose Handeln langfristig auf die Hinterbliebenen auswirken. Was steckt hinter Redensarten wie „durch dick und dünn gehen“, „Hölle heiß machen“, „vom Pferd erzählen“ oder „am Arsch vorbei gehen“. All diesen und noch einigen weiteren Phrasen widmet sich Brockdorff auf seine Weise. „Ich lege Worte eben gerne auf die Goldwaage“, so der Autor. Und mit dieser Aussage hat er wahrscheinlich schon einen Pflock für ein drittes Buch eingeschlagen. dsn
Bild: Cay Baron von Brockdorff stellt sein neues Lachbuch „Wie herrlich, dass wir so dämlich sind“ vor. Foto Schneider

Schaufenster vom 31. Oktober 2007
Halb Wahrheit, halb geflunkert
Dreizehn spritzige Geschichten von Cay Baron von Brockdorff
Sophienlust. "Wie herrlich, dass wir so dämlich sind!", sagt Cay Baron von Brockdorff aus Sophienlust auf dem Einband seines neuen Buches und hat aufgeschnappte Pointen und selbst erlebte Ereignisse in kurzweilige dreizehn Geschichten zusammengefasst, die halb real und halb geflunkert sind. ”Deshalb kann auch doppelt gelacht werden", verspricht der Autor.
Mit Wortwitz und Humor liefert von Brockdorff eine Fortsetzung zu den "Zwölf kleinen Köstlichkeiten", die Anfang vergangenen Jahres im Plöner verlageinundsiebzig erschienen sind. "Aus Dankbarkeit an meine Leser gibt es diesmal eine Geschichte mehr", schmunzelt von Brockdorff und bezeichnet sich selbst als "reziprok wortkargen" Schleswig-Holsteiner, der sich allgegenwärtig mit der Kraft des gesprochenen Wortes durchschlagen muss.
In seinem neuesten Werk hat er zum Teil die Region, in der er lebt, und ihre Menschen in die Erzählungen eingebunden. Auch die Familie kommt nicht zu kurz. Eine Geschichte gibt ein Gespräch mit seiner Tochter, der er das Buch gewidmet hat, wieder und entwickelt aus dem bekannten Werbespruch "Geiz ist geil" die Neuschaffung "Sparsamkeit ist aphrodisierend". Darüber hinaus geht er mit einer großen deutschen Fluglinie ins Gericht, die sein Gepäck verloren hat, oder nähert sich Wörtern wie "klasse" oder Ausdrücken wie "Das geht mir am Arsch vorbei" in der ihm eigenen Weise.
Auch Begegnungen am Plöner Bahnhof oder im Zug nach Lübeck, Aufeinandertreffen mit einem unliebsamen Mieter oder den Besuch eines Modegeschäfts setzt Cay von Brockdorff in seinem Werk um und möchte nicht nur Heiterkeit verbreiten, sondern auch mit einem Augenzwinkern Impulse bieten, um über die deutsche Sprache nachzudenken.
"Es bringt mir einfach Spaß, diese Texte zu schreiben", betont von Brockdorff, der gelegentlich seine Ideen beiseite schieben muss, wenn seine Arbeit als Rhetorik- und Kommunikationstrainer sowie Experte für medizinische Hypnose ruft. "Aber fünf Geschichten liegen schon wieder für das nächste Buch in der Schublade."
Die neuesten Gedanken- und Wortspiele in "Wie herrlich, dass wir so dämlich sind!" und die "Zwölf kleinen Köstlichkeiten" in zweiter Auflage sind im Buchhandel oder im Internet unter www.verlag71,de erhältlich. MB

Bild links: Cay Baron von Brockdorff hat in seinem neuen Buch "Wie herrlich, dass wir so dämlich sind!" wieder die deutsche Sprache auf den Prüfstand gestellt. FOTO: BILLHARDT