Ein Winter in Namibia

Ute Gieseler

ISBN: 978-3-928905-91-6
Seitenzahl: 160
Verarbeitung: Broschur, 4-Farb-Cover
Preis: 11,90 Euro


Tagebuch einer ungewöhnlichen Reise

Reisen bedeutet immer fortgehen und doch heißt es ankommen. Neues erleben, erlernen und erfahren. Neue Ansichten, Lebensweisen, Traditionen. Es ist egal wie weit und wohin die Reise führt. Man betritt eine neue Welt, in welcher man sich neu entdecken und kennenlernen kann. Die Welt dreht sich anders herum und die Zeit scheint einen anderen Takt vorzugeben. Das entfliehen aus dem Alltag kann helfen neue Überblicke zu gewinnen, Gesundheit zu fördern und neue Kraft zu sammeln.



Leseprobe
All den anderen netten Angeboten habe ich abgesagt und mich für ihr Interesse bedankt. Ich wollte Teil dieses Projektes Therapeutisches Reiten werden.
In der Antwort hatte man mir unmissverständlich klar gemacht, dass bei diesem Projekt dringend Hilfe nötig sei und sie sich sehr freuen würden, wenn ich mich für diese Aufgabe entscheide. Am liebsten sollte ich schon „gestern“ kommen.
Es begann ein reger und inniger Kontakt zu der Frau, bei der ich voraussichtlich einige Wochen leben werde.
Nun wurde es ernst! Mit meiner Krankheit hatte ich nach wie vor zu kämpfen. Doch durch die Vorstellung, nun tatsächlich nach Namibia zu fahren und dann auch noch einer Tätigkeit nachgehen zu dürfen die mir besonders gut liegt, ließ mir gar nicht mehr so viel Gelegenheit darüber nachzudenken, wie schlecht es mir eigentlich geht.
Als Jugendliche bin ich leidenschaftlich gerne geritten. Somit war das erste Problem, Umgang mit Pferden, schon einmal gelöst.
Die Arbeit mit Kindern ist mir ebenfalls gut vertraut. Ich habe neun Jahre lang in einem Kindergarten gearbeitet, und zwar sehr gerne.
Nun konnte ich meiner Familie konkret und detailliert erklären, welches meine zukünftigen Aufgaben sein werden, zumindest für die kommenden Wochen.
Unsere drei Kinder sind erwachsen und bis auf unsere jüngste Tochter Anna (22 Jahre), leben sie ihr eigenes Leben. Wir haben ein sehr inniges Familienleben, und somit wurde jeder neue Schritt immer gemeinsam besprochen. (Da ich mich ihnen geöffnet hatte, fiel es mir auch leichter darüber zu reden).
Trotz der Schmerzen und Problemen mit meinem Körper, fühlte ich mich ausgesprochen gut. Ich merkte, es ging voran. Ich spürte, dass diese Reise in eine andere Welt, mir Klarheit für mein weiters Leben geben wird.
Auch wenn mir Karin Rasch, die Frau bei der ich sieben Wochen leben und arbeiten werde, immer wieder suggeriert hatte, wie schlimm es bei ihr zu Hause aussieht und welches Chaos mit ihren elf, im Haushalt lebenden Katzen herrscht, war mir vom ersten Augenblick an klar: Das ist es! Das ist die Aufgabe die ich in Namibia zu erledigen habe.
Karin Rasch sitzt schon viele Jahre im Rollstuhl. Sie kann außer den Armen und den Kopf nichts bewegen. Sie leidet unter Glasknochen, Muskelschwund und einem Lungenödem. Durch die  Glasknochen hatte sie schon sehr viele Brüche überstehen müssen. Durch den Muskelschwund ist sie auch nicht in der Lage ihren Rollstuhl selbständig zu bewegen. Das wiederum bedeutet, dass sie immer und ständig auf fremde Hilfe angewiesen ist.
Und genau diese Frau leitet eine Reitschule mit acht Pferden und 30 Schülern von zwei bis 40 Jahren!
Das faszinierte mich vom ersten Augenblick an. Deshalb muss ich einfach diesem Gefühl nachkommen, dieser wunderbaren Frau, wenigstens für einen kurzen Zeitraum, helfen zu können. Nach wochenlangen Vorbereitungen sollte es tatsächlich bald losgehen.
Ich bin voller Optimismus und großer Vorfreude.



Kieler Nachrichten vom 14. Oktober 2011