Augenblicke - Mit der Trauer leben

Uwe Friedrichs

ISBN: 978-3-928905-71-8
Seitenzahl: 62
Verarbeitung: Broschur mit Schutzumschhlag
Preis: 9,90 Euro
vergriffen

Wie schwer ist es nur, mit dem Tod umzugehen? Den Verlust eines Menschen zu begreifen. Wann setzt man sich damit auseinander?
Doch erst, wenn man hautnah betroffen ist. Man hat einen guten Freund verloren oder auch einen nahen Angehörigen. Vielleicht den Vater, die Mutter, den Partner oder das Kind. Den Gedanken schiebt man lange von sich weg. Nein, nein, bloß nicht daran denken …
Und plötzlich ist es passiert. Du selbst bist betroffen und nicht ein Nachbar oder ein Kollege. Jetzt musst du damit klar kommen, es verarbeiten und lernen damit umzugehen. Besser gesagt, du musst lernen damit zu leben. Dein Leben wird sich verändern. Du suchst Trost – wenn du ihn annimmst. Viele Menschen werden scheu, wollen nicht angesprochen werden. Es ist ihnen fast unangenehm darüber zu reden. Obwohl es eigentlich, eigentlich das Normalste der Welt ist – oder wird.
Die Gedichte sollen ein wenig zerstreuen, vielleicht auch ein wenig Trost schaffen. Soweit es geht. Aber schreiben kann sie nur jemand, der sich selbst damit auseinandergesetzt hat.
Die Gedichte sollen auch dazu beitragen, um auf Menschen zuzugehen, die trauern. Wie hilflos ist man oft? Was soll ich nur sagen? Ich mache da bestimmt etwas verkehrt. Und so macht man oft einen großen Bogen um diesen Menschen.
Warum nur? Es ist die Ohnmacht, die Hilflosigkeit.

Titelbild: Karin Duwe, Bilder im Innenteil: Uwe Friedrichs und Karin Duwe

Homepage des Autors Uwe Friedrichs


Leseprobe
Trauer steht für Entbehrung, ich vermisse dich,
du bist nicht mehr da, wie soll das geh’n?
Leere in mir, Hoffnungslosigkeit.
Ein Leben allein, ist nicht mehr zu zweien.
Der leere Platz neben mir, ich halt es nicht aus.
Aber bist du wirklich nicht mehr da?
Was ist mit unseren Erinnerungen?
Ja stimmt, wir hatten doch eine schöne Zeit.
Stunden, Monate, ja Jahre, die uns keiner nehmen kann.
Die vielen schönen Abende, unendlich viele Gespräche.
Die Zärtlichkeiten und vielen Urlaube am Meer.
Wie ein Film fest gespeichert im Kopf und im Herzen.
Das kann mir kein Mensch nehmen, keiner.
Es kommt nicht wieder, aber das Vergangene bleibt ewig.


Eckernförder Zeitung vom 17. November 2009

Trauer in Versform: Gedichte und Musik über Depressionen und Oasen der Ruhe


Schauspieler Franz Kratochvil (vorne) trägt die Gedichte von Uwe Friedrichs (r.) vor. Kerstin Bärenz und Ingo Haack spielen dazu berühmte Popsongs und Eigenkompositionen (Foto: Böhm).


Von kleinen Oasen der Ruhe, aber auch über depressive Stimmungen und vor allem Gefühlen der Trauer erzählen die Gedichte von Uwe Friedrichs. Aus den drei bisher erschienenen Büchern des Schleswigers trug der Schauspieler Franz Kratochwil am Freitagabend vor 40 Zuhörern im Lokal "Römer & Wein" vor. Zwischen den Versen erklangen passende Evergreens und eigene Kompositionen der Musiker Kerstin Bärenz und Ingo Haack von der Schleswiger Musikgruppe "InTaKt".


Im ersten Teil der Lesung handelten die Texte von depressiven Stimmungen, vom "Mann von nebenan", der keinen Arbeitsplatz mehr hat, über die "Lady in Black" mit der Glamour-Fassade, die einen Menschen verlor, und den "schweren Unfall", der das Leben veränderte. Uwe Friedrichs, der mit diesen Versen Erfahrungen aus seinem Beruf als Leiter einer offenen Begegnungsstätte für psychische erkrankte Menschen verarbeitet, fragte: "Wo verläuft die Grenze zwischen Krankheit und Gesund sein?" Depressionen seien ein Tabuthema. "Das zeigt der Fall Robert Enke", nahm Uwe Friedrichs aktuellen Bezug auf den Selbstmord des Fußball-Nationaltorwarts in der vergangenen Woche.

Im zweiten Teil las Schauspieler Franz Kratochwil Friedrichsche Gedichte vor, die sich um die Trauer drehen, die Verlusten folgt: "Hätte ich noch ein paar Worte frei, ... einen letzten Kuss, ... könnten wir noch einmal die Zukunft bereden ..." Diesen Teil schloss das Duo "Two of InTaKt", wie sich Keyboarderin Kerstin Bärenz und Gitarrist Ingo Haack auch nennen, mit "Imagine" von John Lennon.

Gibt der Autor diesen Gefühlen, die kommen und gehen, zuviel Gewicht? "Ich kann das trennen", antwortet Uwe Friedrichs, "hinterher gehe ich lustig tanzen." Er wolle den Menschen mit seinen Gedichten keine Ideen beibringen. "Ich will nur auf etwas aufmerksam machen."

Der dritte Abschnitt des Abends thematisierte kleine Oasen, die der Dichter gefunden hat, um Ruhe zu finden. Das können wirkliche Orte sein wie ein "Leuchturm in der Ferne" oder sinnbildliche Orte wie etwa ein herzlich ausgesprochenes "Wie geht es dir?" Dazu sangen und spielten die Musiker "Heart of gold" von Neil Young - über die Suche nach dem goldenen Herzen.

Dass Dichtung und Musik so zusammen passten, war kein Zufall. "Lange haben wir die richtigen Lieder ausgesucht", sagte Uwe Friedrichs, für den der Auftritt eine Premiere war: "Sonst sind wir in Kirchen oder sozialen Einrichtungen aufgetreten, Orte, die etwas mit den Themen meiner Gedichte zu tun haben."

Der Beifall bewies, dass offenbar auch die Zuschauer in der Weinstube etwas mit den Themen anfangen konnten - und dass ihnen die Darbietung gefiel.  (thb)