Von "abben Knöppen" und rutschenden Pfannkuchen
Lesung mit vier Autoren und plattdeutscher Musikgruppe bot Unterhaltung

Zu ihrer inzwischen dritten "Musikalischen Lesung" hatten die "Verlage zwischen den Meeren", eine Arbeitsgemeinschaft bestehend aus sechs schleswig-holsteinischen Kleinverlagen, eingeladen.
Vier Autoren sorgten mit ihren überwiegend heiteren Texten für die perfekte Unterhaltung des zahlreich im "Dörpskrog" erschienenen Publikums.
Wenn der Ahrenshöfter Peter Heinrich Clausen mit ernster, trockener Miene aus seinen Werken vorträgt, hat er die Lacher schnell auf seiner Seite, ob es nun um "Fledersupp un Klümp" (gifft Mannslüüd um de Föfftig Kraft) oder um die Kinderfreuden beim Baden "in Muddel un Eddel" geht. Pointierte Kürze, straff gespannte, rhytmische, gereimte Verse, zumeist harmlos beginnend, aber nicht so endend - das zeichnet Clausens Texte aus.
Der Plöner Autor und pensionierte Postbeamte Helmut Holst, mit dem Plattdeutschen aufgewachsen, beschäftigt sich seit seinem Ruhestand verstärkt mit Heimatgeschichte und -sprache und hat als ehemaliger Landbriefträger viele spannende Episoden und witzige Begebenheiten erlebt und in inzwischen drei Büchern festgehalten. Der Funke zu den Zuhörern sprang sofort über, als Holst vom Konflikt zwischen dem Schafbock und dem Briefträger Oswald berichtete. Und wohin mit den vier angebotenen Pfannkuchen, die man nicht essen, aber aus Höflichkeit auch nicht ablehnen mag? Unterm Zylinderhut ist ein guter Platz, nur rutscht ausgerechnet im falschen Moment einer der Fladen übers linke Ohr.
Aus der Lebensreise der alten Mamsell Marie, die mit 100 Jahren im Altenheim lieber Geschichten erzählt als Schlaftabletten schluckt, erzählt temperamentvoll die Kieler Verlegerin Ingrid Venohr und ließ das ländliche Schleswig-Holstein am Anfang des letzten Jahrhunderts lebendig werden.
Der vierte im Autorenquartett, der Flensburger Wilhelm Ludwig Christiansen, ehemaliger Reiseführer und -leiter, brachte dem Publikum humorvoll das "Pethu" nahe - "eine Sprache, die man nur in Flensburg sprechen tut". In diesem Dialekt, der sich aus Hoch- und Plattdeutschen, dem Dänischen und Plattdänischen entwickelt hat, werden "abbe Knöppe angenäht bei zuem Rollo", viele Vokale verschluckt, und Rechtschreibung ist ziemlich unbekannt, aber: Auch der Pethu-Unkundige versteht sofort den Sinn des Gesagten und hatte bei Christiansen viel zu lachen.
Wie bei den vergangenen musikalischen Lesungen sorgte auch diesmal die plattdeutsche Folkgruppe "Speellüüd" mit ihren traditionellen Liedern für gute Stimmung.

han / Husumer Nachrichten / 11. November 2003

Erfa�t am: 11.11.2003 - 12:26 Uhr